Sonntag, 1. Mai 2016

Ein Klosterkrimi

Von Unerwartetem und gar nicht Alltäglichem
von Sybilla Wahl
 
Kirchenkrimi

Ein junger Novize wird in seiner Zelle im Benediktinerkloster tot aufgefunden. Abt Lukas ermittelt höchstpersönlich, wie es dazu kommen konnte, Kommissar Meinrad arbeitet mit ihm zusammen und gemeinsam lösen sie schließlich den Fall.

Die Handlung ist realistisch ohne Übertreibungen und für Kloster-Ferne verständlich geschildert. Die Atmosphäre und der Alltag im Kloster werden anschaulich beschrieben: das Stundengebet, der Gregorianische Choral mit Zitaten auf Latein und Deutsch, Bibelstellen, der Tagesablauf der Brüder, die Unterrichtsfächer der Novizen, die Dunkelheit während der Komplet.

Dazu Episoden zum Geist der Gemeinschaft; so möchte ein Ordensmann nicht immer an der Orgel spielen, weil er deswegen nicht mit den anderen Mönchen zu Beginn der Gottesdienste in die Kirche einziehen kann; ein anderer beabsichtigt sein Theologiestudium aufzugeben, denn in einem handwerklichen Beruf geht es ihm besser als wenn er Priester wäre und ein Bruder ist ein begeisterter Krimi-Fan und erhält regelmäßig Pakete mit Lesestoff geschickt.
 
In der Geschichte gibt es neben heiteren ebenso ernste Aspekte, wie den Tod des sympathischen Novizen, körperliche Behinderungen oder generell die Lebensumstände, die zu Kriminalität führen. Aber durchgängig bleibt der Grundton auf der Schönheit und Schlichtheit des Ordenslebens, dem Geerdet-Sein und der Freude von Menschen, die ihren Glauben leben.
Dem Text ist ein klassisches U.i.o.g.D. (Ut in omnibus glorificetur Deus – Auf dass Gott in allem verherrlicht werde) vorangestellt und in der Einleitung folgt die Versicherung der Ort des Geschehens ist das kleine, unbedeutende Städtchen Auergries, irgendwo in der Mitte Deutschlands“ aber es handele sich um erfundene Orte, Klöster und Personen. Es geht weiter mit einer Kurzvorstellung der vierzehn Mönche, vom Abt über Prior bis zum Bruder mit der ersten Profess und dem jungen Novizen.

Jedes der 17 Kapitel wird durch ein Zitat aus der 1500 Jahre alten Regula Benedikti (Benediktusregel) vom Heiligen Benedikt von Nursia eingeleitet, also der Klosterregel für Benediktinerorden. Das Buch enthält am Ende ein dreiseitiges Glossar mit Erklärungen zu den genannten Fachausdrücken, von Abtpräses bis Zelle. Zum Schluss gibt es das letzte Zitat aus der Benediktusregel: Wer aber im klösterlichen Leben und im Glauben fortschreitet, dem wird das Herz weit und er läuft in unsagbarem Glück der Liebe den Weg der Gebote Gottes. (RB prol 49)

Das Buch Ein Klosterkrimi ist uneingeschränkt empfehlenswert; eigentlich kann ein Klosterkrimi nicht besser geschrieben werden, zumindest nicht für gläubige Katholiken. Neben Spannung, amüsanten und weniger leichten Szenen wird gezeigt, was es mit dem Ordensleben auf sich hat, sogar eine kurze Predigt ist drin. Selbst Lesern ohne Hang zu Kriminalromanen wird die Geschichte gefallen. Wie in den Büchern des Benediktinerpaters und Bestsellerautors Adalbert Seipolt wird Information über Christliches auf höchsten Unterhaltungsniveau geboten.
Man möchte es dem fiktiven Kloster und den liebenswürdigen Mönchen nicht wünschen, aber Abt Lukas könnte doch bald mal wieder Straftaten aufklären?

Über die Autorin steht auf Seite 2: Sybilla Wahl ist ein Pseudonym. Die Autorin (*1967) trat mit 38 Jahren in eine benediktinische Gemeinschaft ein.
 
312 Seiten, 2015, BoD – Books on Demand Norderstedt

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