Sonntag, 15. Mai 2016

Das geheimnisvolle Kloster

von Johannes Gönner

Kirchenkrimi

Pfarrer Stefan hat eine Marienerscheinung, in seiner Wiener Kirche, mit einer dringenden Botschaft an ihn persönlich.
Die Stimme einer entschlossenen Frau, einer g'standenen Frau … gar nichts Salbungsvolles oder Säuselndes. [..] … also eines steht fest: das erzähle ich keinem, nein – unmöglich! Ich meine: Ich! Ausgerechnet ich! (Seite 11 und 12)
Zuerst hofft er noch, alles sei nur Einbildung, aber sicherheits- halber folgt er der Empfehlung, die nächste Sonntagsmesse in der Krypta zu feiern. Zum großen Glück für alle Beteiligten! Neben dem neuen Gottesdienstort wurde ihm aufgetragen, den Jugendlichen die Bibel nahe zu bringen und zwar auf einer Reise. Außer dem Pfarrer begeistern sich gleich mehrere Pfarrangehörige für Griechenland, deswegen wird die Jugend dort auf der Insel Kreta ihren Unterricht erhalten. Allerdings findet die Fahrt erst Monate später statt und unter den abenteuerlichsten Umständen. In einem geheimnisvollen Kloster wird es dann für alle Wiener enorm gefährlich werden.  

In den Wochen davor geschieht ebenfalls jede Menge in der Pfarrei, so werden zwei Usbeken, die auf der Flucht sind, im Turm untergebracht. Davon darf niemand etwas erfahren, damit die Beiden besser geschützt sind. Dazu hat ein osteuropäischer Groß- krimineller einige wenige Szenen, der sich mit einer Dame trifft, die eine Abneigung gegen Kleidung hat. Nein, keine Wechseljahre, schon das Übliche. Aber das wird nur ganz knapp und dezent geschildert. Die Schwerpunkt der Handlung liegt auf dem Pfarrer- und Gemeindealltag (Endlich habe ich's geschafft. Der Weg von der Messe ins Pfarrcafé ist kurz, aber meist sehr langwierig. Wer etwas von mir will, wartet auf diesen 60 Metern von der Kirche herüber. - Seite 133) und dazu den Erlebnissen der Mitarbeiter und  Pfarrei- angehörigen, besonders der Jugend, um deren Bibelwissen sich die Heilige Maria selbst kümmern muss.

Eine unterhaltsam und spannend geschriebene Geschichte mit witzigen Einfällen, wie gleich zu Beginn mit der hohen Dame. Wenn man den Autor noch nicht kennt, hält man sich bei der Erscheinung mit dem Schmunzeln erst mal zurück und fragt sich, ob das jetzt in Geschmacklosigkeit ausarteten wird. Aber man merkt schnell, dass die Szene mit einem Augenzwinkern geschrieben wurde und dennoch vollkommen authentisch ist, denn wenn ein Pfarrer in seiner Kirche solch eine Begegnung hätte, dann würde es so und nicht anders ablaufen.

Jedes der kurzen Kapitel hat einen Ich-Erzähler, meistens Pfarrer Stefan und daneben etwa zehn weitere. Dadurch lernt man die unterschiedlichen Figuren hervorragend kennen und kann sie leicht auseinander halten. Am Anfang des Buch werden außerdem die wichtigsten Beteiligten auf drei Seiten kurz vorgestellt.

Das geheimnisvolle Kloster ist bereits der zweite Band über die Wiener Pfarrei. In dieser Fortsetzung erfährt man, was die Figuren erleben, die in Nichts ist vergessen von 2014 ins literarische Leben gerufen wurden. (Das Buch liegt schon hier auf einem der Stapel für demnächst).

Der Autor Johannes Gönner ist der erste krimi-schreibende Pfarrer dieses Blogs mit einem katholischen Theologiestudium, und das nach neun (!) kriminalisierenden evangelischen Kollegen, deren Bücher hier bereits empfohlen wurden. Wusste ich doch, dass es auch Priester mit Talent zum Qualitäts-Kirchenkrimi geben muss, man hätte eben gleich in Österreich suchen müssen.
  
Johannes Gönner ist Krimiautor und Priester. Seit 2009 ist er Pfarrer der Canisiuskirche in Wien. Auch Kreta, den zweiten Schauplatz der Handlung, kennt er wie seine eigene Westentasche. 2014 erschien sein erster Kirchen-Krimi im Verlag Styria.
(Zitat von der Rückseite des Buchs)
 
376 Seiten, 2016, Sankt Benno Verlag, Leipzig, angenehm große Schrift.

Das Buch wurde mir vom Sankt Benno Verlag zur Verfügung gestellt. Sie haben dort derzeit Krimi-Spezialseiten, u.a. gibt es ein Interview mit einem meiner Lieblings-Kirchenkrimiautoren Steffen Mohr, von dessen Erzählungen hier im Blog schon so viele vorgestellt wurden.

Nachtrag:
Dieser Artikel erschien am 23. Mai 2016 als Gastbeitrag in dem katholischen Lifestyle-Magazin The Cathwalk. Er steht da zwischen 'Die Andenauer-Ära in Kino und Fernsehen' und 'Beim Schneiden der Tomaten - Warum Küche, Kunst und Kultur als Teil unserer Identität zusammenhängen'.

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