Mittwoch, 6. April 2016

Nicht der Typ für Gott

von Holly Ordway

Eine Skeptikerin entdeckt einen kompromisslosen Glauben

Holly Ordway wächst glaubensfern im Norden der USA auf; von den Eltern gibt es Geschenke an Weihnachten, aber in die Kirche gehen sie nie. Christliche Klassenkameraden werden belächelt und später beim Literatur-Studium im Süden:
Einmal wurde ich [..] von einem eifrigen Traktateverteiler kaum verständlich angesprochen, „ob ich denn gerettet sei“. „Nein, und ich will es auch nicht werden!“, brüllte ich zurück, halb bestürzt und halb stolz auf meine harsche Antwort. (Seite 13)

Mit 31 ist sie eine promovierte, atheistische College-Professorin. Es fühlte sich gut an, mich als überlegen im Vergleich mit den unaufgeklärten, abergläubischen Massen zu betrachten und bissige Bemerkungen über Christen zu machen.(Seite 14)
Sie zieht nach San Diego, um dort zu arbeiten; zweimal in der Woche trainiert sie im Fechtverein. Nach fast einem Jahr Unterricht findet sie zufällig heraus, dass ihr Coach Josh Christ ist.
Ich hatte keinen Respekt für Christen. Aber ich respektierte Josh und Heidi … und die waren Christen. Etwas lief da aus dem Ruder. (Seite 41)

Zögernd stellt sie erste Fragen und erhält Antworten. Schon bald kann sie nicht mehr behaupten, Gläubige machten sich keine Gedanken oder hätten keine vernünftigen Gründe. Im Laufe der nächsten Monate, mehrerer Fechtturniere, nach vielen Gesprächen mit Josh und einigen Büchern wird sie – beinahe gegen ihren Willen – zur Theistin und einige Zeit danach zur Christin. Aus Vernunftgründen.
 
Josh und seine Familie gehören einer nicht-konfessionsgebundenen Gemeinde an. Da er merkt, dass es dort für Holly 'nicht richtig stimmt', schickt er sie in eine katholische Kirche. Nach ihrem dritten Gottesdienst überhaupt (mit viel Stehen, Knien und Blättern durch die Liturgieanleitungen) stellt sie sich dem Diakon und dem Pfarrer vor, wird herzlich in der Gemeinde aufgenommen, erhält Glaubensunterricht und wird Monate später getauft. Pate ist ihr Trainer Josh.
 
Ein absolut großartiges Buch! Schritt für Schritt erläutert Holly Ordway ihre ehemaligen Einstellungen, zeigt auf, für welche sie Argumente hatte, wo nicht und welche ihrer Überzeugungen einfach nur Vorurteile waren, über die sie im Grunde nie richtig nachgedacht hatte. Motto: Wenn man keine für sich akzeptable Antwort auf eine Frage finden kann, dann sollte man besser nicht zu viel überlegen. Allerdings ist sie weit entfernt von „Bequemlichkeitsverblödung“, denn sie denkt und debattiert gern und gekonnt. Es sind diese Leidenschaften, die sie immer weiter machen lassen mit dem Nachdenken, Lesen und den Gesprächen mit Josh; selbst als sie dahin kommt, wo sie nie hin wollte. Dieser Weg  wird klar und verständlich beschrieben, ohne komplizierte Wörter und Gedanken- gänge, für jeden leicht nachvollziehbar und wie bei C.S.Lewis werden konfessionelle Unterschiede ausgespart.
 
Natürlich ist Holly nicht nur aus Vernunftgründen Christ geworden. Sie hatte (fast) von Anfang an mit ihrem Fechttrainer einen überzeugten und überzeugenden Gläubigen als Gesprächspartner. Später kamen ebensolche Hauptamtliche und Gemeindemitglieder dazu.
 
Für die Leser von Nicht der Typ für Gott wird Holly Ordway nun selbst eine überzeugte und überzeugende Glaubenszeugin. Ihr Buch ist absolut großartig – ja, das steht oben schon, aber weil es so hervorragend ist, kann man das auch zweimal schreiben.
Unbedingt lesen!!

PS:
Welche Bücher sie unterwegs dabei hatte?
C.S.Lewis, viel Lewis, besonders Pardon, ich bin Christ und Überrascht von Freude. Holly Ordway hat über Fantasy-Literatur promoviert, kannte schon als Kind Narnia und fühlte sich dem Spätberufenen, Fantasy-Autoren und scharfsinnigen Denker Lewis sehr nah. Dazu von Peter Kreeft und J.P. Moreland Does God Exist?/Existiert Gott? (Youtube hat - leider nur auf Englisch - Gespräche mit einem Atheisten, wie vernünftig die Annahme ist, es gäbe einen Gott).
The Risen Jesus and Future Hope/Der auferstandene Jesus und die zukünftige Hoffnung von Gary Habermas, und von N.T. Wright: The Resurrection of the Son of God/Die Auferstehung des Sohnes Gottes.
(Laut Wiki handelt es sich um anglikanische, freikirchliche und katholische Autoren. Es geht um die christlichen Grundlagen.)
 
Dr. Holly Ordway ist Autorin und Professorin für Englische Literatur. Sie ist außerdem begeistert vom Fechten – sei es mit dem Säbel oder mit Argumenten. Holly Ordway lebt bei San Diego, USA. (Zitat von der Rückseite des Buchs)
 
185 Seiten, 2010, deutsche Ausgabe von 2011 aus dem Amerikanischen (Not God's Type) übersetzt von Frank Grundmüller, Brunnen Verlag

Nachtrag vom 6. April 2016: Ein Interview mit Holly Ordway steht auf der Seite  Word on Fire (auf Englisch, und sie sind mit den Jahreszahlen durcheinander. Obiges Buch ist 2010 im Original erschienen und 2011 auf Deutsch. So steht es zumindest drin.)

Nachtrag vom 24. April 2016: Es wurde vom St. Ignatius Press 2014 eine erweiterte Neuauflage von Not God's Type herausgegeben. Das Interview vom obigen Nachtrag bezieht sich auf diese Ausgabe. Bisher ist die längere Fassung nur auf Englisch erhältlich.

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