Samstag, 2. April 2016

Ein Quantum Himmel

Noch ein schräger Kirchenroman

von Lars Quittkat
 
Kirchenkrimi

In einer Blechkiste wird eine Babyleiche auf dem Friedhof der Pfarrei gefunden. Das beschauliche Dorfleben gerät durch- einander, eigentlich waren alle mit den Vorbereitungen für die Karwoche und Ostern beschäftigt. Normalerweise wird die Ruhe nur durch Frieda Matzke gestört, die jede Menge Veränderungsvorschläge hat und diese ständig mit Verve vorbringt, und durch den Organisten Günter, einen Heavy Metal Fan, und das ganz besonders, wenn er Orgel spielt. (Regelmäßige Kirchgänger bringen ihre Ohrstöpsel mit.)

Die Hauptfiguren sind schon aus dem ersten schrägen Kirchenroman 8 Verse für ein Halleluja  bekannt: die Familie von Pastor Theo Braun und die Angehörigen seiner Gemeinde. Dieses Buch ist die Fortsetzung und die beiden Paare, die sich im ersten Band gefunden haben, stehen vor dem nächsten Schritt, deswegen geht es auch um das Thema gescheiterte Beziehungen und Wiederverheiratung. Außerdem ist die Restaurierung eines Altarbildes dringend erforderlich, Pastors Sohn zeigt eigenwillige Ostervideos auf der Gemeindewebseite und die beiden Seniorinnen mit Dackel Billy sind ebenfalls wieder dabei.

Die Handlung um Oliver und seine Anstrengungen, der Frau seines Herzens einen Antrag zu machen, gehören zu den Perlen der Geschichte. Man zittert mit, ist mit ihm enttäuscht, dann wieder erleichtert, während man schmunzeln muss. Als er sie schließlich fragt, ist das enorm witzig und romantisch, beides gleichzeitig, man lacht laut und ist dabei gerührt. Eine ganz wundervolle Szene.
 
Dazu gibt es Geistliches zu Karwoche und Ostern, Ausschnitte von Predigten in den Gottesdiensten, Seelsorgegespräche und die Leser sind mit in der Bibelrunde, als Jesus' Prozess betrachtet wird. Aber das alles bleibt im Rahmen der Erzählung und der grundlegenden Glaubenssätze, es passt gut in die Handlung, hat keine Längen und wirkt nirgends aufgesetzt.
 
Die Geschichte ist reich gemischt: Ein trauriges Krimi-Thema mit dem toten Kind und der unglücklichen Mutter, dazu die Glaubensgespräche zu Leben, Tod und Auferstehung, andererseits die sympathischen Pfarrangehörigen, die amüsanten Gemeindegeschichten (Frieda Matzke ist wieder übertrieben pointiert dargestellt) und überzeugende geistliche Gedanken. Heiteres steht neben Ernstem, Alltägliches neben Grundfragen des Lebens, insgesamt ein unterhaltsamer und spannender Fastenzeit- und Ostern-Kirchenroman.
 
Lars Quittkat, geb. 1963, ist Pastor einer Landgemeinde in der Nähe von Bremen. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. (Zitat von der Buchrückseite)
Der erste Band 8 Verse für ein Halleluja erschien 2012.

176 Seiten, 2016, Neukirchener Verlagsgesellschaft

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