Donnerstag, 11. Februar 2016

Lob des Sonntags

von Monika Metternich

Christlicher Alltag - Glaubenswissen

Gestern war Aschermittwoch, die Fastenzeit hat begonnen. Allerdings gibt es Ausnahmen in den fast sieben Wochen: an Hochfesten und sonntags wird nicht gefastet, das sind Feiertage. Einem hochwürdigen Herrn zufolge soll es sogar streng untersagt sein, diese Tage unfestlich zu begehen. Deswegen und überhaupt heute das Lob des Sonntags.
 
Die Autorin Monika Metternich beginnt mit persönlichen Erinnerungen, über die Sonntage früher als sie ein Kind war: Samstagsbad, Sonntagskleidung, Sonntagsessen, Kirchgang, die Familie ist den ganzen Tag zusammen, Besuche, Ausflüge. Ein Loblied auf die Festzeit und das private Feiern.

Wonach riecht für Sie der Sonntag?“ fragte sie Passanten in Bonn. „Schmorbraten“, „Heiße Schokolade“, „Bohnenkaffee“, „Waldgeruch“ sind einige der Antworten. (Seite 25f.) Man wird angesteckt und ein schwacher Duft von Sonntagskuchen und Kaffee hängt in der Luft.
 
Es folgt Theologisches über das Leben am jüdischen Sabbat, wie die Familien den Tag verbringen und was alles die Sabbatruhe stört. Es wird erklärt, warum Christen nicht den Samstag sondern den Sonntag feiern, und wie sich dies entwickelt hat. Was die Leute in den ersten Jahrhunderten sonntags machten, denn schließlich war es ein Arbeitstag und da gab es wenig Freizeit. Amüsant ist der Bericht über die ausufernden Sonntagsmähler, die zu Trinkgelagen (bzw. riesigen Besäufnissen) nach antikem Vorbild führten und die Paulus in seinem Brief an die Korinther rügte. Die Gemeinde von Korinth ist deswegen bis heute bekannt. Es kam zur Trennung von Herrenmahl und profanem Sättigungsmahl. Wie sahen dann später in den ersten Jahrhunderten die Gottesdienste und Zusammenkünfte aus? Ein Sonntag im alten Jerusalem wird von einer Augenzeugin beschrieben.
 
Ein nächstes Kapitel fährt fort mit der Reise durch die Zeit und handelt vom arbeitsfreien Sonntag, das heißt den Kampf um ihn. Besonders nach der Französischen Revolution und in den von Frankreich besetzten deutschen Gebieten. Bismarck sperrte sich ebenfalls gegen einen Sonntag für alle Berufstätige, aus Wettbewerbsgründen. Später dann die problematische Lage im nach-zaristischen Russland und den Staaten des Ostblock, jahrzehntelanges Verbot der Religionsausübung und des freien Sonntags für alle. 
Im letzten Kapitel geht es um Sonntagsmessen und den kirchlichen Jahreskreis. Man erfährt unter anderem, warum es Osterhasen und Ostereier gibt und dass Erntedank in den verschiedenen Ländern der gängigen Erntezeit anpasst wird. Die Erläuterungen zum Kirchenjahr enden mit dem Ostersonntag, dem Ur-Sonntag der Christen, und einer Beschreibung der Sonntagsmesse, die für Katholiken überall auf der Welt gleich sind. Naja, fast gleich.
 
Und das alles ist nur ein kleiner Teil der Themen.
 
Lob des Sonntags ist eine umfassende Kulturgeschichte des Sonntags, unterhaltsam und hoch-informativ, nicht eine Zeile trocken oder gar langweilig. Theologisches und Historisches werden spannend und verständlich dargestellt. Im ersten Teil bei den Kindheitserinnerungen hat man automatisch die eigenen Sonntage von früher vor Augen.
 
Das Buch ist wie ein literarisches Sonntagsspaziergang, heiter und entspannt wie das schöne Titelbild. Allerdings auch ein argumentenreicher Aufruf, sich das hohe Gut des arbeitsfreien Sonntags nicht nehmen zu lassen. Denn so viel Lebenskunst muss sein!

Die Autorin Monika Metternich (geb. 1957) ist Religionspädagogin, Schriftstellerin, Journalistin und Mutter von fünf Kinder. (Quelle )

235 Seiten, 2009. Umschlaggestaltung von Manuel Kimmerle, Kißlegg. Die vorliegende Ausgabe ist die 1. Auflage 2015 vom fe-medienverlag gmbh. Sie ist übrigens sehr günstig, gemessen am reichen Inhalt fast schon geschenkt.

Kommentare:

  1. Du hast vergessen zu erwähnen, dass dieser hochwürdige Herr zum Opus Dei gehört.

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  2. Ist er das? Woher sollte ich das wissen, es ist mir komplett neu. Andererseits ändert es auch nichts an seiner Aussage. Nehme ich mal stark an. LG

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  3. Na, das habe ich doch bei FB in einem Kommentar dazu geschrieben.

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  4. Ja, jetzt habe ich es auch gelesen, dass Du das geschrieben hast. Aber wie gesagt, ohne deinen Hinweis war es mir nicht bekannt.

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