Sonntag, 17. Januar 2016

Mit 90 auf dem Jakobsweg

Wenn nicht jetzt, wann dann?
 
Von Margaretha „Oma“ Toppelreiter 

Die Österreicherin Margaretha Toppelreiter ist Jahrgang 1921 und führte ein glückliches, normales Leben mit Kindern und Enkeln. Nachdem sie Witwe wurde, wollte sie sich noch ein paar Wünsche erfüllen, vor allem die Welt zu sehen. So kam es zu ihrer ersten Flugreise mit 87, Ziel war die Insel Malta. Danach folgten Irland, Lourdes, Italien und Spanien.
Dort war ihr Enkel Michael 2009 den Jakobsweg gegangen.

Margaretha Toppelreiter träumte davon, selbst die letzten 120 km bis nach Santiago de Compostela zu Fuß zurückzulegen und als älteste Pilgerin eine Urkunde zu erhalten. Nach monatelanger Vorbereitung auf dem Hometrainer (täglich 30 Minuten, um die Kniegelenke zu stärken) und ausgedehnten Spaziergängen bei Wind und Wetter, einer Reihe Bücher über den Camino und das Auffrischen ihres Schulenglischs war es endlich im Mai 2011 so weit, das vierzehntägige Abenteuer konnte beginnen. Mit Tochter Maria, Enkel Michael und Susanne, einer Bekannten, ging der Flug von Graz nach Mallorca und von dort nach Santiago, dann fuhren sie mit dem Taxi nach Barbadelo, der ersten Pilgerstation.
 
Etwa siebzig Seiten Pilger-Reisetagebuch beschreiben den Weg, besondere Begegnungen, Messen und sonstige Erlebnisse der kleinen Gruppe, bis sie in Santiago ankamen, die Pilgerurkunde erhielten und noch einen Abstecher zum Ende der Welt, nach Finisterre machten. Danach besuchten sie ein Pilgerhotel in der Region Navarra, wo Enkel Michael als hospitalero (ehrenamtlicher Pilger-Betreuer) gearbeitet hatte. Mit dem Auto werden noch ein paar Sehenswürdigkeiten besichtigt, so zum Beispiel Puente la Reina, danach geht es über Barcelona und Mallorca zurück nach Österreich.
 
Neben ihren Lebens- und Jakobswegschilderungen stehen auf einigen Seiten Empfehlungen und Mut-mach-Gedanken, wie man sich seine Wünsche auch noch im hohen Alter erfüllen kann. Dazu fasst die Autorin Kerngedanken aus Büchern zusammen- gefasst, die ihr Mut gemacht haben, z.B. von Joseph Murphy und Louise Hay.
 
Auf der Rückseite des Buchs steht:
Ärzte und viele „Freunde“ prophezeiten ihr, dass eine über 90jährige „nicht mehr kann“ und sich lieber „schonen“ solle. Oma Toppelreiter zeigte sich und allen Zweiflern, dass es zum Erfolg führt, wenn ein Ziel einem Herzenswunsch entspricht.
Mittlerweile will Oma Toppelreitet Menschen in jedem Alter helfen, wieder an sich zu glauben, sich Ziele zu setzen und diese auch zu verwirklichen.
 
Durch die große Schrift ist das Buch ohne Mühe zu lesen. Dazu gibt es viele Fotos, ein paar von der Familie, aber hauptsächlich von den Reisen der Autorin.
 
Eine sehr anregende, kurzweilige Lektüre, die wirklich hilft, sich nicht zu alt für einen unerfüllten Traum zu fühlen, selbst wenn man um Jahrzehnte jünger ist als die Pilgerin.
 
Unter „Oma Toppelreiter“ gibt es auf Facebook eine Seite, wo alle paar Tage Beiträge, Fotos und kurze Videos aus dem Alltag der Autorin gepostet werden. 
 
182 Seiten, 2012, Camino Verlag, Wartberg im Mürztal (Österreich), schwarzweiß Fotos.

Auf Youtube steht ein Interview von Margaretha Toppelreiter mit ihrem Enkel Michael:


 

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