Dienstag, 15. Dezember 2015

Lächeln schenken

 
 

Der tanzende Gaukler im Kloster (nach einer französischen Legende)

Es war einmal ein Gaukler, der die Leute mit seinen Spässen und Kunststücken erfreute. Er konnte springen, auf seinen Händen laufen und tanzen, dass es eine Art hatte. Er zog von Ort zu Ort, von Jahrmarkt zu Jahrmarkt, und überall gaben ihm die die Leute so viel,dass es ihm zum Leben reichte. Endlich war er all des Treibens müde, und er klopfte an das Tor eines Klosters. Er bat, in die Reihen der Mönche aufgenommen zu werden. Der Abt gab ihm eine Mönchskutte, und er reihte sich bescheiden als letzter ein, wenn die Mönche zum Gebet schritten.

Bald aber wurde sein Herz von tiefem Gram erfüllt: Er konnte nicht mitsingen, wenn der Chor der Klosterbrüder sang. Er wusste die lateinischen Worte nicht zu setzen, die die Mönche beim Gebet sprachen. Er verstand auch nicht, in den frommen Büchern des Klosters zu lesen. Er fühlte, dass er hier unnütz sei. Das bedrückte ihn sehr.
Eines Tages schlich er in eine einsame Kapelle, als die Glocke die Mönche zur Frühmesse rief. Ein Gedanke hatte ihn erfasst: „Wenn ich schon die Psalter nicht mitsingen kann, so will ich doch etwas tun, was ich kann.“ Er legte das Mönchsgewand ab. Und in seinem bunten Gauklergewand, das er unter der Kutte trug, begann er zu tanzen. Er drehte sich in unermüdlichem Schwung hierhin und dorthin. Seine Arme waren wie die Flügel eines Schmetterlings. Er sprang seine höchsten Sprünge, er schlug das Rad, er lief auf den Händen durch die Kapelle. Mit einem Wort: Er tanzte voller Inbrunst, mit Leib und Seele. Er tanzte, um Gott zu erfreuen. Er tanzte, bis er atemlos niedersank.

Ein Mönch war ihm heimlich gefolgt und hatte durch einen Türspalt diesen Tanz gesehen. Er eilte zum Abt und holte ihn herbei. Am nächsten Tag liess dieser den Bruder zu sich kommen. Zerknirscht fiel der vor dem Abt auf die Knie. Kaum konnte er seine Tränen zurückhalten: „Ich weiss, dass ich ein schlechter Mönch bin. Anstatt zu beten habe ich getanzt. Ihr habt Recht, wenn ihr mich aus dem Kloster verweist. So will ich freiwillig wieder auf die Strasse gehen!“

Doch der Abt zog ihn zu sich empor und sagte: „Du hast mit deinem Tanzen eindringlicher zu Gott gesprochen, als wir es alle tun. Denn oft sind es nur unsre Lippen, die die Worte formen und nicht unsre Herzen. Bleibe bei uns. Deine Frömmigkeit kommt aus dem Herzen. Du ehrst Gott mit Leib und Seele durch dein Tanzen.“

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Und noch ein Weihnachts-Klassiker (Früher war mehr Lametta!)
Man beachte: Gender-mainstreaming-mäßig war der große Meister damals schon auf der Höhe des heutigen Zeitgeistes!

 
 
 
 

Kommentare:

  1. Bleibe bei uns. Deine Frömmigkeit kommt aus dem Herzen. Du ehrst Gott mit Leib und Seele durch dein Tanzen.“ ...Das ist der riiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeesengroße Unterschied zu den Selbstdarstellern, die heute um die Altäre tanzen! Die "Herzenstänzer" findet man noch bei Ureinwohnern anderer Kontinente.Ausnahmen mag es auch in Deutschland geben.

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  2. Ein Kernunterschied ist auch, dass der Gaukler davor tanzte, um die Menschen zu erfreuen. Es hatte wenig bis nichts mit Selbstdarstelltung zu tun. Bei den sakralen Tänzen heute wird es bestimmt nicht gern gehört, wenn jemand lacht.

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