Sonntag, 25. Oktober 2015

Mord im Vatikan

Sherlock Holmes ermittelt im Auftrag des Papstes
von Ann Margaret Lewis

Kirchenkrimi


Sherlock Holmes hat zwischen 1888 und 1898 für Papst Leo XIII. drei Verbrechen untersucht und selbstverständlich gelöst. Aus Diskretionsgründen ;) erfährt man erst jetzt nach über hundert Jahren davon. Der erste und dritte Fall sind in bewährter Manier von Dr. Watson aufgezeichnet worden, der zweite wurde von Seiner Heiligkeit persönlich für das Tagebuch verfasst und dessen lateinisches Manuskript erhielt Pater Brown geschenkt. (Ja, genau, der berühmte Pater Brown von Chesterton!).

Zuerst geht es um die Ermordung von Kardinal Tosca in seinem Büro im Vatikan. Papst Leo XIII., der in zwei Fällen eine wichtige Rolle spielt, bittet Sherlock den Mörder zu finden. Wie man es von Holmes kennt, findet er Spuren und Hinweise, die Herren fassen den Täter und können dazu noch in letzter Minute einer jungen Dame das Leben retten.

Die zweite Geschichte schrieb Papst Leo XIII. auf; damals 1888 war Dr. Watson nicht in Rom dabei. Anlässlich des Baus der Kirche Westminster Cathedral in London schenkt der Papst Königin Victoria wertvolle Kameen. Die Schmuckstücke kommen jedoch nicht bei Hofe an, unterwegs muss es einen Diebstahl gegeben haben.
Sherlock Holmes' Erfolg wird mit dem Orden eines Päpstlichen Ritters belohnt, allerdings im Geheimen.

Schließlich wird es hoch(krimi)literarisch, ein originelles Crossover: Pater Brown wird von Lestrade (Holmes' Kriminalinspektor) in London festgenommen. Mordverdacht! Sherlock wird von Flambeau (Pater Browns Meisterdieb) engagiert, den Fall zu klären.

Im Laufe der Fälle gibt es kleine Action-Szenen, außerdem wird Dr. Watson vom Papst persönlich die Unfehlbarkeit erklärt, eine junge Dame flirtet schüchtern mit Sherlock, man erfährt jede Menge über den historischen Leo XIII. und über die Lage für Katholiken im Großbritannien des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts, der agnostische Detektiv und der Papst diskutieren die Beweisbarkeit Gottes und Watson berichtet, wie ihn der Glaube einer Frau beeindruckt, die vor einer schweren Geburt steht.

Sherlock meint schließlich über den Papst:

Ich mag ihn, Watson. Sehr sogar. Er liebt es, mich in Verlegenheit zu bringen, wie du siehst, aber nur, weil er wirklich fromm ist. Er ist auch gebieterisch, aber auf eine sehr liebenswerte Weise.“

Nun ja“, lächelte ich. „Daran bin ich gewöhnt.“ (Zitat Seite 72)


Mord im Vatikan ist ein großartiger Kirchenkrimi, d.h. eigentlich Vatikan-Krimi. Spannend, unterhaltsam, werkgetreu, so als wären die Texte von Arthur Conan Doyle selbst, sehr gelungen in dieser zeitgenössischen Erzählung. Mit großer Zuneigung für Christliches und speziell Vatikanisches. Die Autorin kennt sich hervorragend aus und weiß, interessante Fakten in der Story unterzubringen. Der Krimi ist authentischer als die Filme mit Benedict Cumberbatch und Martin Freeman, aber genau so fesselnd und amüsant. Man kann Mord im Vatikan allen empfehlen, es gibt selbst für empfindsame und außerordentliche Gemüter keinerlei Befremdlichkeiten oder gar Schocks.Deswegen hat die Erzählung auch von der us-amerikanischen Catholic Writer's Guild das Seal of Approval erhalten.

Das Buch hat mir der Verlag zur Verfügung gestellt.

Die Autorin Ann Margaret Lewis wuchs in Michigan USA auf und hat einen Universitäts- abschluss in Englischer Literatur. Sie schrieb Kindererzählungen, Kurzgeschichten und über Star Wars. Mord im Vatikan war ihr erstes Buch und gewann den Preis der Independent Book Publishers für beste religiöse Fiction 2010 und andere Auszeichnungen.

Ein längeres Interview mit der Autorin zu Mord im Vatikan bei The Catholic Geeks (englisch)

Ihre Homepage (englisch)

207 Seiten, Illustrationen von Rikki Niehaus, 2015 Verlag Petra Kehl, aus dem Amerikanischen (Murder in the Vatican von 2010) von Alexandra Kehl

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