Sonntag, 19. Oktober 2014

Im KreuzFeuer

von Lothar Petzold

Kirchenkrimi


Pastorentochter Magdalena Jäger ist Kriminalkommissarin, gerade frisch in Nordsachsen angekommen und muss ihren ersten Fall lösen: den Mordversuch auf eine Kirchenälteste der evangelischen Gemeinde. Zu den Hauptverdächtigen zählen mehrere Mitglieder der Kirchenleitung. Man fragt sich, warum nicht der evangelische Pfarrer das Opfer ist, gegen den es so viele Einwände gibt: Er würde Irrlehren verbreiten, bestärke nicht im Glauben sondern im Zweifel und wäre mit seiner schroffen Art kein guter Seelsorger. Nur das Opfer war meist auf Seiten des Pfarrers. Allerdings wird eine Verwechslung der Beiden ausgeschlossen und schließlich taucht doch noch ein Motiv auf, warum der Anschlag auf die Frau verübt wurde.

Während die Kirchenälteste im Koma liegt, ermittelt Magdalena mit Unterstützung eines jungen Kollegen, des evangelischen Pastors und seiner Frau. Außerdem ist der katholische Pfarrer, der die Gastlichkeit und gutes Essen schätzt, eine große Hilfe. Mit ihm kommt es auch zu geistlichen Gesprächen, über das Pastorentochterdasein, Pfarreien und Konfes- sionelles (Zitat Seite 50: „Obwohl ich mit meiner Kirche nicht nur froh bin, denke ich doch: Sie überfordert die Menschen weniger als die evangelische.“ [..] „Es überfordert viele Menschen, sich ständig ihres Glaubens zu vergewissern und selber einzige Autorität außer Gott zu sein. So manche wollen gesagt kriegen, wo es lang geht.)

Nach zahlreichen Spuren und Verhören, gefährlichen Einsätzen, Abstechern ins niederlän- dische Alkmaar und ins örtliche Krankenhaus, steht für die Ermittler fest, wer die Tat begangen hat. Aber ein Beweis muss her, oder ein Geständnis. Da macht der katholische Pfarrer einen Vorschlag: „Verblüffend und vielleicht die einzig hilfreiche Idee“, bestätigt Nieburg (der evangelische Kollege - Zitat Seite 149). Der Plan klappt und einige Tage später ist der Fall geklärt. Happy End auf der ganzen Linie: Zu später Stunde ziehen miteinander eine Kriminalkommissarin, ein Polizeiinspektor und eine Organistin angeführt von einem evangelischen Pfarrer singend durch enge Gassen. (Zitat Seite 171).

Im KreuzFeuer ist ein wirklich unterhaltsamer, kluger Krimi ohne Schockelemente; hauptsächlich geht’s ums Miteinander in der Gemeinde speziell auf der Leitungsebene. Der katholische Pfarrer wird sehr positiv geschildert (da hat wahrscheinlich ein beeindruckender Geistlicher als Vorbild gedient), aber die anderen Hauptfiguren kommen auch richtig sympathisch rüber. Die Verdächtigen jetzt eher nicht, das ist eben so in Kriminalromanen.
Kann man unbedingt empfehlen, auch für eher konservative Gläubige. (Bis auf die unten stehende Einschränkung)

Hoffentlich schreibt der Autor noch weitere Krimis mit Magdalena Jäger, den Pfarrern, ihren Angehörigen (Wird das noch was mit Marcus und Claudia?) und den Gemeindemitgliedern, jetzt wo wir sie schon kennen und schätzen gelernt haben. (Beim nächsten Mal unbedingt ein Rotbarsch-Rezept mitliefern!)

Der Lara-liest-Leser-Service:
Achtung! In den Gesprächen wird erwähnt, dass sich oft Leute in die Gemeindeleitung wählen lassen, die sonst wenig bis nichts zu sagen hätten. Vielleicht ist dieser Krimi deswegen nicht die allerbeste Geschenkidee für ehrenamtliche Führungsbeteiligte in kirchlichen Gremien, auch nicht für Interessenten an dieser Tätigkeit und erst recht nicht für Gläubige, die man in naher Zukunft gern in verantwortungstragenden Positionen sehen würde. Es sei denn, sie besitzen genug Humor; oder man schreibt einen Zettel, es handele sich nur eine Minderheitenmeinung in einer Erzählung und hätte mit der Realität überhaupt nichts zu tun. Oder Ähnliches.

(Im nächsten Hartenberg-Krimi müsste sich die Kommissarin zur Kirchenältesten wählen lassen. Damit wäre dieses Geschenk-Problem vom Tisch!)
 


Der Autor Lothar Petzold, geboren 1938 in Leipzig, ausgebildet zum Handelskaufmann, Studium der Theologie an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale. Pfarrer in Torgau/Elbe und Berlin. Dozent, Publizist, Liederdichter, Erzähler. Von 1990 bis 1996 in der Chefredak- tion der Sächsischen Zeitung zuständig für Themen der Zeit . Hier hat er die Seite Mensch und Gesellschaft, geprägt von christlicher Ethik, entwickelt und geschrieben. Seit 1996 freischaffend. Verheiratet lebt in Zeuthen bei Berlin. (Zitat aus dem Buch, Seite 176) Zahlreiche Veröffentlichungen: Sachbücher über die Evangelische Landeskirche in Ostdeutschland, Erzählungen, Romane, Lieder, Gedichte.

176 Seiten, ohne Jahresangabe, die Deutsche Nationalbibliothek nennt 2013, St. Benno Verlag

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