Freitag, 8. August 2014

Das Geheimnis von Schloss Morillion

von Anke Hillebrenner

Kirchenkrimi – Kinder


Mein Bruder bat mich vor seiner Abreise, allen Fremden, die sich in diesem Schloss aufhalten, strengstens zu untersagen, den Turm hier im östlichen Teil des Schlosses zu betreten.“ (Seite 18) hören die drei Kinder am ersten Tag ihrer Ferien auf Morillion in Frankreich. Luca, Lina und Michi sind mit ihren Eltern, die Geschichtsprofessor und Botanikerin sind, für 6 Wochen im Elsass. Natürlich beginnen sie schon in der ersten Nacht den Turm zu untersuchen. Bei den späteren Erkundungen ist der Mischlingshund Melanchthon dabei.

Es gibt viel zu entdecken im Turm und auf dem riesigen Gelände, zum Beispiel im alten Verwalterhaus, am Ententeich, im Rosengarten mit dem Springbrunnen und der Statuen- sammlung. Damit man einen Überblick bekommt, gibt es im Buch einen Lageplan der gesamten Schlossanlage. Das Nachforschen ist für die Kinder nicht ungefährlich, aber sie entkommen jeder brenzligen Situation, manchmal erst in letzter Minute. Ihre Eltern können ihnen durch ihr geschichtliches und pflanzliches Wissen entscheidende Hinweise geben und am Ende kommt es zu Verhaftungen durch die Polizei.

In der Kategorie Kirchenkrimi ist das Buch, weil die Familie gläubig ist und betet, besonders wenn es eng wird und weil die Kinder im alten Turm Hinweise auf Martin Luther finden.
 
Schon ziemlich zu Beginn geht es um die Begriffe sola gratia, sola scriptura, sola fide, solus Christus, die der Herr Professor erklärt. Zu sola scriptura sagt er:
(Zitat Seite 51) Zum Beispiel verbreitete die Kirche damals die Lehre, dass man sich durch sogenannte Ablasspapiere, die man sehr teuer bezahlen musste, von seinen Sünden selbst loskaufen konnte.
Das stimmt so leider nicht; der sogenannte Ablasshandel ist zwar furchtbar übel und wurde von der katholischen Kirche noch zu Luthers Lebzeiten geändert und wenige Jahre nach Luthers Tod ganz abgeschafft und sogar verboten, allerdings ging es dabei nicht um „ein Loskaufen von seinen Sünden“ sondern um eine Verkürzung oder Aufhebung der soge- nannten "Sündenstrafen". Diese Lehre muss man nicht glauben (obwohl Luther anfangs daran festhielt, muss heute kein Protestant das für wahr halten, soweit mir bekannt ist), aber es wäre besser, dies in einer Geschichte korrekt darzustellen, wenn man darüber schreibt und Kinder über Luther und die Reformation informieren will.
Das ist der einzige kleine Wermutstropfen in diesem alles in allem höchst empfehlens- werten Kinderkrimi mit der mitreißenden Handlung und den sympathischen Familien- mitgliedern.
 
Anke Hillebrenner, verheiratet, drei Kinder, studierte Juristin, ist neben ihrem Vollzeitjob als Mutter noch als Übersetzerin, Rechtsanwältin und Kinderbuchautorin tätig. (Zitat von der Buchrückseite)

Im Anhang sind zwei Seiten mit Informationen über Martin Luther und die Reformation.

Ein Kirchenkrimi für Leser ab 10 Jahren.

144 Seiten, 2011, Illustrationen: Susanne Malessa. Untertitel: Ein Abenteuerkrimi mit den Rothstein-Kids. Christliche Verlagsgesellschaft.

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