Sonntag, 20. Juli 2014

In This House of Brede

In diesem Haus des Friedens

von Rumer Godden

Erzähltes – Kloster


Benediktinerinnen in der Abtei Brede in Sussex, England. Wichtige Ereignisse und Schicksale der Ordensfrauen, die Geschichte spielt in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts, über zehn Jahre hinweg, hauptsächlich innerhalb des Klosters, die Außenstehenden bleiben Randfiguren.

Im Mittelpunkt steht Philippa Talbot, eine erfolgreiche Regierungsbeamtin im Handelsministerium, die als Novizin eintritt und eine der über 90 Nonnen von Brede wird. Ein neues Leben beginnt für sie, ihre bisherigen Kenntnisse kann sie kaum noch verwenden. (Jahre später jedoch hilft sie einer ehemaligen Kollegin, indem sie ihrem Mann im Sprechzimmer durchs Gitter hindurch betriebswissenschaftliche Nachhilfe erteilt.) Philippa hatte sich in die Karriere gestürzt, nachdem ihr kleiner Sohn auf tragische Weise ums Leben gekommen war, bis sie den Ruf zu dieser ganz anderen Lebensweise hörte.

Außerdem geht es um die großen Sorgen der alten Äbtissin, bei denen die Cellerarin (Finanzministerin des Klosters) auch eine Rolle spielt. Später um ihre Nachfolgerin als Äbtissin, die nach der Wahl die große Einsamkeit dieses Amtes als Belastung empfindet und ohne Aufschub mit dem schwierigen Vermächtnis ihrer Vorgängerin klar kommen muss.

Novizinnen, die ins Kloster eintreten, aus katholischen Familien, oder aber eine junge Frau aus einer nichtreligiösen Familie mit einer problematischen Mutter, die sie auf keinen Fall in einen Orden gehen lassen will. Sie müssen alle ihren Weg finden. Dazu wissenschaftlich und künstlerisch arbeitende Nonnen, die Bücher schreiben und veröffentlichen wollen. Musik, Kunstgewerbe, Geld. Die Veränderungen durch die Liturgiereform, der Umbau des Kirchengebäudes und Renovierungsarbeiten. Für eine Niederlassung in Japan kommen fünf japanische Novizinnen, sie bleiben jahrelang bis nach ihrer Profess und gehen dann mit erfahrenen englischen Nonnen in ihr Land zurück, um das Kloster zu gründen.

Man liest vom Beten und der Arbeit als Kirchenmusikerin, Sakristanin, Novizen- Meisterin und in der Krankenabteilung, Apotheke, Tierhaltung, an der Pforte und mit Pflanzen. Die Erzählung behandelt umfassend das Leben der Frauen in der Gemeinschaft und mit Gott.

In this House of Brede ist sehr reichhaltig, unterhaltsam, lehrreich und teils spannend wie ein Krimi, nur statt einem „Wer war es?“ ein „Was werden sie jetzt tun?“. Ich kenne keine bessere Erzählung über Ordensfrauen. Gibt es eine?

Es ist schwierig ein deutsche Übersetzung zu bekommen, auch antiquarisch scheint es sie derzeit nicht zu geben. (Titel: In diesem Haus des Friedens) Wer also über Büchereiauf- lösungen oder Flohmärkte eine erwischt, darf sich freuen und sollte zugreifen. Eine Reader's Digest Zusammenfassung auf Deutsch mit ca. 160 Seiten ist noch erhältlich. Sie vermittelt einen guten Eindruck von der Geschichte. Ansonsten bleiben öffentliche Bibliotheken, notfalls mit Fernleihe.

Für Interessierte, die Englisch lesen können, ist die Originalfassung sicher nicht allzu schwierig, besonders wenn man sich mit katholischen Orden und Liturgie auskennt.

Mein Band wurde 2005 in den USA gedruckt. In der englischsprachigen Welt ist Rumer Godden noch bekannt und geschätzt als Autorin anspruchsvoller (aber nicht komplizierter) christlicher Literatur. Man kann den Text leicht lesen, vom Stil her ist es gehobene Unterhaltungsliteratur. Vielleicht gibt es Leser, die das Buch nicht „tief“ genug finden. Da ich aber niemanden kenne, der höchstwertige Literatur schätzt und In diesem Haus des Friedens gelesen hat, kann ich das nicht genau beurteilen. Mir gefällt die Mischung aus respektvoller Darstellung des geistlichen Lebens, Erklärungen zu Orden und Christentum, Menschlichem, Spannendem und Humor hervorragend. „But smoking and drinking for a nun!“ Dame Beatrice had been disstressed. „St. Benedict himself allowed a little daily wine,“ Dame Veronica had pointed out. „That was in Italy,“ said Dame Ursula.[..] Her tone said clearly that anything might happen in Italy. (Seite 143)

In der englischen Ausgabe gibt es eine Zeichnung mit Lageplan vom Kloster, eine Einleitung von Phyllis Tickle, ein Figurenverzeichnis der Benediktinerinnen mit ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen, Begriffserklärungen (z.b. Habit, Oblaten), Fragen zum Nachdenken und Diskutieren und eine kurze Biographie und Verzeichnis der wichtigsten Werke von Rumer Godden 

Vorbild für die Abtei Brede war die Abtei Stanbrook Abbey, wo die Autorin auf Besuch war und das Leben der Nonnen kennen lernte. Das Gebäude wurde 2009 aufgegeben und die Ordensfrauen – mittlerweile weniger als 30 - zogen in den Norden von Yorkshire, nahe dem kleinen Ort Wass, dort wird eine neue Abtei Stanbrook Abbey gebaut. Homepage von Stanbrook Abbey 

Margaret Rumer Godden (1907-1998) wurde in Sussex geboren und wuchs im kolonialen Indien auf; in einer Gegend, die heute zu Bangladesh gehört. Ab 1920 war sie fünf Jahre auf der Schule in England, danach 20 Jahre lang in Kalkutta Leiterin einer Tanzschule für Mädchen. Damals veröffentlichte sie erste Erzählungen und 1939 ihren ersten Bestseller Black Narcissus. 1945 Rückkehr nach England mit ihren zwei Töchtern, hauptberuflich Schriftstellerin, 1948 Scheidung, 1949 zweite Ehe. Seit den frühen Fünfzigern interessierte sie sich für die katholischen Kirche, 1968 Konversion. Neben This House of Brede sind in Black Narcissus (verfilmt 1947) und in Five for Sorrow, Ten for Joy Ordensfrauen die Hauptfiguren. Insgesamt schrieb sie über 60 Romane, Sach- und Kinderbücher unter dem Namen Rumer Godden.

656 Seiten, erstveröffentlicht 1969, die Ausgabe vom Foto ist aus dem Jahr 2005, USA, von Loyola Press



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