Donnerstag, 24. Juli 2014

Der Einbruch

von Andreas Wollbold

Erzähltes – Geweihtes Leben


Caritasdirektor Prälat Thiesen, Mitte Sechzig, muss sich um einen Fall von Unterschlagung kümmern. Ein Studienfreund vom Priesterseminar, der Dechant der Dompfarrei, hat Geld aus Erbschaften gestohlen, um seine Spielsucht zu finanzieren. Die Erzählung begleitet Prälat Thiesen einen Tag lang; von frühmorgens, als er wegen Herzbeschwerden beim Arzt ist, noch bevor dessen Sprechstunde beginnt, bis kurz vor Mitter- nacht betend in einer Kirche.


Ein Tag voll mit Terminen, Begegnungen, Gesprächen, Erinnerungen und Nachdenken. Für Thiesen ergeben sich Einsichten über sein bisheriges Leben und schließlich eine Entscheidung für die Zukunft.

Es gibt Szenen mit einem Schulfreund, der jetzt Thiesens Arzt ist; dem Generalvikar (Stellvertreter des Bischofs); einem jungen Domvikar von der Generation 'modebewusste Kollarträger', in seinem eigenen Büro ein Gespräch mit einem ehemaligen Seminaristen, der jetzt für die Mitarbeitervertretung der Caritas tätig ist und ihre Trennung von der Kirche befürwortet; einem alten Theologieprofessor, mit Hang zur Alten Messe und schon ziemlich dement, mit dem er gemeinsam Gottesdienst feiert; einer Frau, die ihre Lebensbeichte ablegt.

(Zitat Seite 63) Da bin ich noch einmal auf die Brücke gegangen und habe runtergeschaut. Doch nun wusste ich: Ich werde niemals sterben. Ich bin auf der Welt, und mich kann nichts mehr daraus vertreiben. Da habe ich verstanden, wer Gott ist. [..] Meine Sünde, meine große Sünde, die sich in allem wiederholte, war, dass ich das Himmelreich selbst an mich reißen wollte, ohne Armut.

Danach kommt der wichtige Besuch bei dem spielsüchtigen Dechanten und dessen Schwester. Abends schaut der Prälat im Fernsehen einen Bericht über diesen Fall, trifft später bei einem Spaziergang mit Kippe einen Dombettler, der kein Geld möchte („Herr Pasto, was denken Se denn? Ich mach och mal Feierabend.“ Zitat Seite 90) und beschließt den Tag in der Eucharistischen Anbetung bei den Kapuzinern.

Eine sehr katholische Handlung, sie vermittelt Einblicke in die Kirchenverwaltung und das Leben eines „Verwaltungs-Priesters“, die man als Außenstehender sonst nicht erhält. Gehobener Standard, anspruchs- und wertvoll. Eigentlich steht hier schon zu viel über den Inhalt, aber vielleicht ist es ein Anreiz diese feine Erzählung zu lesen.

Der Titel Der Einbruch bezieht sich auf die Bibelstelle Matthäus 7,27, den letzten Vers von „Das Haus auf dem Fels“:
(26) Wer aber meine Worte hört und nicht danach handelt, ist wie ein unvernünftiger Mann, der sein Haus auf Sand baute.
(27) Als nun ein Wolkenbruch kam und die Wassermassen heranfluteten, als die Stürme tobten und an dem Haus rüttelten, da stürzte es ein und wurde völlig zerstört.

Andreas Wollbold (geb. 1960 in Saarbrücken) ist Priester aus dem Bistum Trier und seit 2003 Professor für Pastoraltheologie an der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität und daneben in der Pfarrseelsorge tätig.

95 Seiten, 2012 im Dominus-Verlag erschienen (In einer Nachbemerkung schreibt der Autor, die Geschichte sei schon 1993 konzipiert worden und Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Personen wären rein zufällig.)

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