Sonntag, 8. Juni 2014

Hochwürden auf Brautschau

von Adalbert Seipolt

Erzähltes – Humor


Acht amüsante Erzählungen zu kirchlichen und vor allem menschlichen Fragen, zwischen 10 und 33 Seiten lang.

Hochwürden auf Brautschau:
Was würde geschehen, wenn für Weltpriester der Zölibat nicht mehr vorgeschrieben wäre? In dieser Geschichte wird es durchgespielt: Viele Geistliche bleiben beim Gewohnten, eine kleine Anzahl Priester wird schnell fündig und traut sich. Andere müssen den Waffenschein beantragen, um sich gegen die anstürmende Damenschaft zu wehren. Das Argument, als Ehemann können Priester die Verheirateten besser verstehen wird gegen das Argument abgewogen, als Zölibatäre können sie eher den Kranken und Einsamen beistehen. Priester mit Familie wären nur Schönwetterpriester und für Untergrund und Verfolgung nicht geeignet, dem wird ein Kaplan gegenüberge-stellt, der sich erst mit Gattin in die Mission wagt, weil er zu viel Respekt vor der Einsamkeit hatte.
Im öffentlichen Diskurs bisher vernachlässigte Fragen werden angesprochen: Was geschieht mit Pfarrhaushälterinnen, wenn eine Angetraute einzieht? Das Thema Zölibat wird von allen Seiten beleuchtet, die unterschiedlichen Standpunkte kommen zur Sprache und werden ausgeglichen behandelt, verpackt in unterhaltsame Szenen und Dialoge, mit amüsanten Anmerkungen und geschildert mit liebenswerten Personen.

Eine herrliche kleine Erzählung.


Karin und der Kardinal:
Seine Nichte Karin bringt den Kardinal wieder näher zum normalen Leben und den Menschen

Friedrich von der weißen Weste oder: Ängste eines Minister:
Der neue Herr Minister befürchtet die Veröffentlichung seiner Jugendsünden.

Schnups, der arme Wohlstandsknabe:
Ein Junge wird nach den neuesten pädagogischen Erkenntnissen verzogen.

Das Computerkonzil:
(lachmichweg!) Irgendwann zwischen 2000 und 2100 findet ein Konzil statt. Man hat einen Computer mit Infos gefüttert, daher liefert er die Vorhersage über die Ereignisse auf diesem Konzil in Form eines Zeitungsartikels. Im Stil von Brian Moores „Katholiken“ wird in die Zukunft der katholischen Kirche geschaut. Sehr lustig, etwas böse und kirchen- wie auch gesellschaftspessimistisch. (Zitat Seite 141f) „ ... man lehnte es ab, das kirchliche Sekretariat des Laiensenates, eine Hochburg des katholischen Frauenüberschusses, „Muttikan“ zu benennen [..] erstens sei der Name Vatikan als Markenzeichen bestens eingeführt; zweitens habe er sprachlich mit dem Wort Vati nichts zu tun [..] (was Lateinisch sei, wurde den Konzilsmitgliedern ohne akademisches Diplom ausführlich erklärt).
(Zitat Seite 143) Die ozeanische Priesterfrauengewerkschaft bat das Konzil um die Erlaubnis, dass ihre Mitglieder sich einen zweiten Mann anschaffen können, der nicht Priester ist. (Den Grund dafür kann man im Buch nachlesen, wenn man das Glück hat, es in die Hände zu bekommen. Die anderen können ja mal über die Beweggründe nachdenken.)

Im Band steht nicht, in welchem Jahr Pater Seipolt diesen Text geschrieben hat, das Buch ist 1994 erschienen.

Die außerdem aufgenommenen Geschichten Fortuna im Nonnenstift, Kutten machen Mönche und Theophil im Niemandsland wurden schon in Die Ente seiner Eminenz veröffentlicht.

Die beiden Erzählungen Hochwürden auf Brautschau und das Computerkonzil sind wunderbare Perlen katholischer Unterhaltungsliteratur. Es wäre schade, wenn sie keiner mehr lesen würde.


Der Autor Adalbert Seipolt (1929 - 2009) war Benediktinerpater in Kloster Metten, Niederbayern. Er war Lehrer, Prior und Bestsellerautor für heitere Erzählungen rund ums Geistliche. Im Blog wurden schon vorgestellt:
Und es nickte der kopflose Bischof, Alle Wege führen nach Rom, Die Römische Himmelfahrt, Frauenspersonen Zutritt verboten, Die Ente seiner Eminenz und Der aufgeweckte Siebenschläfer.


149 Seiten, 1996

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