Freitag, 2. Mai 2014

Daheim in Mitford

At Home in Mitford
von Jan Karon

Erzähltes – Christlicher Alltag


Eine wunderbare Heile-Welt-Story um das kleine Städtchen Mitford, den episkopalen Pfarrer Tim und die Leute seiner 200-Seelen-Gemeinde. Sie haben einen guten Kontakt zu den anderen Pfarreien am Ort: zu den Baptisten, Lutheranern und Methodisten, allerdings kommen die nur am Rande vor, z.B. bei gemeinsamen Feiern, der Schwerpunkt liegt eindeutig bei den Episkopalen.

Mitford liegt in den Blue Ridge Mountains, im Südosten der USA. Pater Tim Kavanagh ist Anfang Sechzig und gern Pfarrer, wenn auch zu Beginn der Erzählung etwas ausge- laugt. Die episkopale Kirche ähnelt den Anglikanern. Es gibt unterschiedliche liturgische Praktiken, die Texte der Mitford-Reihe lassen nicht erkennen, welche Pfarrer Tim bevorzugt.  

Dieser erste Band – dessen Erfolg alle Erwartungen der Autorin und des Verlags übertrafen – beginnt mit Barnabas, einem Riesen-Hundebaby, das Pfarrer Tim so lange entschlossen nachläuft, bei jeder Gelegenheit an ihm hochspringt und mit Begeisterung abschleckt, bis er von ihm adoptiert wird. Eine Weile findet er keinen Weg, das Kalb von der Rasse Bouvier zu bändigen, bis er zufällig merkt, dass Barnabas sich sofort beruhigt, hinlegt und seufzt, wenn er Bibelworte hört. So sehen die Mitforder auf einmal den Herrn Pfarrer, wie er auf der Straße steht und laut Bibelzitate rezitiert, nachdem er in den vergangenen 12 Jahren nie durch ungewöhnliches Verhalten aufgefallen war. Die Besucher im Pfarrbüro müssen damit rechnen, mit einem entschlossenen "Tut Buße, und jeder von euch lasse sich taufen!" empfangen zu werden, wenn der Hund mal gerade wieder zwecks liebevoller Begrüßung auf den Gast zustürzt und Father Tim auf die Schnelle kein anderer Spruch einfällt.

Das Christliche wird grundsätzlich fein in die Handlung eingebracht. Der Pfarrer und Angehörige der Gemeinde sind auch im Alltag gläubig, nicht nur bei der Dressur von Hunden. Kurze Gebete, geistliche Überlegungen und die Motivation für das Tun aus dem Glauben heraus finden sich durchgehend bei dem Pfarrer, weniger häufig auch bei anderen Gemeindemitgliedern. Aber es ist nicht zu viel, wird nicht nervig. Es sei denn, man kann mit dem Religiösen überhaupt nichts anfangen. Manche und manches sind too good to be true. Naja, ist ja auch eine Geschichte.

Weitere Hauptthemen des ersten Buchs dieser Reihe sind ein gespendetes Ölgemälde, von dem man hofft, es wäre ein echter Vermeer, ein schwer erziehbarer Jugendlicher, der dem Pfarrer anvertraut  wird und die neue Nachbarin von Pater Tim, eine attraktive Witwe.

Natürlich gibt es nicht nur Amüsantes und Alltagsprobleme sondern auch Trauriges, manchmal sogar Tragisches. In einem folgenden Band z.B. wird von dem Tod eines kleinen Mädchens erzählt, es gibt gewalttätige Menschen und Situationen, die große Unruhe oder Gefahren mit sich bringen. Aber die Haupthandlungen gehen am Ende alle gut aus.

Im Grunde sind alle Geschichten über Mitford Märchen.


Die Autorin Jan Karon wurde 1937 in North Carolina, USA, geboren und war 30 Jahre lang in der Werbung tätig, lebte in New York und San Francisco. Zu Beginn der Neunziger zog sie aufs Land, um Romane zu schreiben. Sie ist Mutter einer Tochter.
Die Mitford-Romane um Pfarrer Tim sind Bestseller in den USA und englischsprachigen Ländern, sie haben schon viele Preise gewonnen. Darunter sind mehrere „Christy Award“, damit werden in den USA Erzählungen ausgezeichnet, die christliche Inhalte haben oder deren Figuren gläubige Christen sind. Jan Karon ist selbst Mitglied der episkopalen Kirche und Prädikantin. (So übersetze ich "Lay Canon" - wer es besser weiß, bitte melden.)

Bezogen auf die amerikanische Ausgabe:
Nach der Erzählung gibt es kurze Zusammenfassungen der ersten fünf Bücher über Mitford, ein Interview mit der Autorin, und Fragen, die sich die Leser zu den Geschichten stellen können. Dies ist gedacht für Mitford-Lesekreise.

413 Seiten, erschienen 1994

Die deutsche Ausgabe erschien 1997, 575 Seiten, sie wurde übersetzt von Michaela Link


Bei einem riesigen online Versandhaus, dessen Name mit "am" beginnt, steht zum dritten Band der Reihe (Deutsch: Die grünen Hügel von Mitford), Pater Tim suche eine Frau, die für eine andere das Baby austrägt. In meiner deutschen Ausgabe findet sich davon nichts. Wahrscheinlich hat sich da jemand einen Scherz erlaubt oder die entsprechenden Szenen wurden nicht in die deutsche Übersetzung übernommen. Wer dazu etwas sagen kann, bitte auch melden.

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