Donnerstag, 24. April 2014

Geistliches Tagebuch

und andere geistliche Schriften

von Papst Johannes XXIII.



(Große Heilige werfen ihre Schatten voraus.)

Die privaten Aufzeichnungen von Angelo Roncalli, der ab seinem 77. Lebensjahr Papst Johannes XXIII. hieß. Die ersten Texte sind von dem 14-Jährigen, der sich schon auf seinen geistlichen Beruf vorbereitete, später von dem Priesteramtskandidaten, Priester, Bischofssekretär, Spiritual, Bischof, apostolischen Delegat in Osteuropa, Nuntius in Paris, Kardinal und schließlich Papst. Sie stammen überwiegend aus seinen Exerzitien, im Buch wird das „Geistliche Einkehr“ genannt. Aus seiner Zeit als Militärseelsorger wurden keine Texte aufgenommen.

Im Anhang sind Briefe abgedruckt, drei schrieb er mit 18 Jahren, den vierten als Papst an seinen Bruder. Dazu gibt es noch verschiedene Fassungen seiner Geistlichen Testamente (als Kardinal, als Papst), seine Anmerkungen zum Rosenkranz und Gebete.

Die Aufzeichnungen der Exerzitien und Tagebucheinträge beweisen, dass der Papa Buono sein Leben lang um geistliche Formung gerungen hat; sie war bei ihm keineswegs nur Geschenk oder natürliche Veranlagung, sondern die Frucht täglichen Trainings. Für die ersten Jahre seiner Bemühungen passt der Spruch von Samuel Beckett: Ever tried, ever failed. No matter. Try again, fail again. Fail better. Der junge Mann nimmt sich z.B. vor, die Naschhaftigkeit und Unkonzentriertheit beim Beten zu beherrschen und noch als Bischof stört ihn seine übermäßige Gesprächigkeit und Trägheit. Durchweg steht in den Texten viel Dankbarkeit und Sich-Fügen in die Aufgaben und Widrigkeiten des jeweiligen Tages.
Als Bischof wählte er den Wahlspruch: Oboedientia et pax (Gehorsam und Frieden)

Man merkt den Texten ihr Alter an, die ersten sind von 1895 mit täglichen bis wöchentlichen Programmen und Vorsätzen für Gebet, Gottesdienst und Alltagsleben. Das ist zum Teil eine sehr altertümliche Sprache, die heute fremd wirkt. Die Inhalte kommen mir allerdings genau so fremd vor, das könnte daran liegen, dass ich sonst keine die Geistlichen Tagebücher anderer Menschen gelesen habe. Allerdings liegt es wohl eher an den veränderten Inhalten und Denkweisen. Man ist heute nicht mehr so streng mit sich selbst. Die Ziele sind niedriger gesteckt und man ist mit kleineren Erfolgen zufrieden. Scheint mir.

Neben dem persönlichen Hoch-Geistlichen steht Biographisches. Da werden Wechsel beim Personal notiert, das Buch der Tischlesung, private Lektüre, Familiäres, Beobachtungen von seinen Auslandsaufenthalten, Alltägliches (Es ist nicht gut, nie vor Mitternacht ins Bett zu gehen, S.250).

Faszinierend, so einen Einblick in das 'Werden eines Heiligen' zu bekommen. In den letzten Wochen habe ich mal wieder in die Kopien reingelesen und bei dem Gedanken gelächelt, dass die beiden so unterschiedlichen Päpste Angelo und Karol am selben Tag geehrt werden.


Das Geistliche Tagebuch hatte ich mal in der größten Bibliothek der Stadt ausgeliehen, war erstaunt und mitgerissen von seinem reichen, vielfältigen Inhalt, aber dann fehlte die Muße, es komplett und intensiv zu lesen. Deswegen wurde es schnell kopiert. Ein Jahr später, mit mehr Ruhe, wollte ich es wieder ausleihen, das ging dann nicht mehr, weil es wegen seines Alters nur noch in der Präsenzbibliothek stand und dort ist erst recht keine Atmosphäre für die aufmerksame Lektüre eines 400-Seiten Werks zu finden. 


Angelo Giuseppe* Roncalli (1881 - 1963), aus einer arme Bauernfamilie im norditalienischen Sotto il Monte, Priester, im 1.Weltkrieg Militärseelsorger, danach auf dem Balkan, als Diplomat in Paris, Patriarch von Venedig, ab 1958 Papst. 

*Ich will für immer nun auch den Namen Joseph (Giuseppe) führen, den ich im übrigen bereits in der Taufe erhalten habe, zu Ehren des teuren Patriarchen, der mir, nach Jesus und Maria, mein erster Patron sein soll und mein Vorbild.( Zitat Seite 231, aus der Vorbereitung zur Bischofsweihe)


479 Seiten, 3. Auflage von 1964, aus dem Italienischen (Giornale Dell'Anima) in Gemeinschaftsarbeit übersetzt.


Es gibt einen Film (leider nur Italienisch) auf dem großen Videoportal:
Vita di Papa Giovanni von 2002 mit Edward Asner in der Titelrolle:

/watch?v=tCSs6nOvMJo


Dort sind auch jede Menge historische Originalszenen mit Papst Johannes XXIII. zu finden.


Der Dekalog der Gelassenheit hat einen eigenen Wiki-Artikel:

/wiki/Die_10_Gebote_der_Gelassenheit


Das kleine Bändchen Worte der Güte wurde schon in dem Blog vorgestellt.

Nachtrag: Ab dem 28.4. 2014 wird täglich von 11.15 bis 11.45 Uhr  bei Radio Horeb aus dem Geistlichen Tagebuch vorgelesen. Radio Horeb ist auch per Internet empfangbar, sogar auf Smartphones. www.horeb.org

 

 

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