Dienstag, 22. April 2014

Der zweite Stein

von Regula Venske

KirchentagsKrimi


Evangelischer Kirchentag in Hamburg, Kanzlerin, Bundespräsident, Hamburger Erzbischof und Präses der Evangelischen sitzen in der ersten Reihe und warten auf den Beginn einer Veranstaltung mit der berühmten Theologin Ute Tauber. Ihr Mann, ebenfalls Theologe und Mit-Autor der jährlichen Bestseller, muss den Abend allein bestreiten und am nächsten Tag die Leiche seiner Frau identifizieren. Die Pastorin, von den Medien als „Päpstin der Herzen“ gefeiert, wurde anscheinend gesteinigt.

Viel Evangelisches und Momentaufnahmen vom Kirchentag (Kirchenlieder singend in der U-Bahn? Wirklich?). Mehrere Pastoren, dazu ein Kommissar und jede Menge Mordmotive aus Vergangenheit und Gegenwart. Der Krimi ist durch und durch zeitgenössisch. Vielleicht gibt es irgendwann nur noch elektronische Bücher und Geschichtsstudenten in ferner Zukunft erhalten den Text ohne Jahresangabe und müssen ihn korrekt einordnen. Bei diesem Buch wäre es sehr einfach, selbst wenn die deutsche Doppelspitze und Frau Käßmann nicht namentlich genannt wären.

Stellenweise heiter wie z.B. bei einem falsch verstandenen theologischen Begriff, da habe ich im Bus laut lachen müssen. Stellenweise zynisch bis tragisch. Die evangelischen Theologen sind nicht wirklich sympathisch, selbst eine der Hauptfiguren, ein pensionierter Notfallseelsorger lädt nicht zum Mitfühlen ein; wahrscheinlich sollte er als Verdächtiger fungieren und musste deswegen massive Kanten haben. Das Mordopfer, also die Pastorin mit Ambitionen auf allerhöchste Kirchen- und Staatsämter, ist dermaßen bitterböse, dass man froh ist, so jemanden nicht im eigenen Umfeld zu haben.

Richtig Geistliches kommt nicht vor. Die Handlung ist spannend erzählt und in sich logisch. Die Verfasserin ist wahrscheinlich selbst evangelisch, hängt zwar an dem Laden, wollte aber nicht zu sehr von ihren Leuten schwärmen. Oder so. Insgesamt ein guter Kirchenkrimi, andere Autoren brauchen sich aber wirklich nicht dahinter zu verstecken.


Dr. phil. Regula Venske ist Philologin und lebt als freie Autorin in Hamburg. Neben Kurzgeschichten, Kinderbüchern u.ä. schreibt seit 1991 Krimis und hat mehrere Preise für ihre Texte erhalten. 2013 wurde sie Generalsekretärin des PEN-Zentrums von Deutschland. Sie lebt mit ihrer Familie in Hamburg laut Wiki-Artikel.


149 Seiten, 2013

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