Montag, 25. November 2013

Bärenzwinger von Fröhling & Reuß

Philipp Laubmanns zweiter Fall

Kirchenkrimi


Auf der Babenburg bei Bamberg treffen sich Professoren der Theologie Mitte Januar zu einer Tagung. Am Morgen nach der ersten Nacht wird eine Leiche gefunden, in einem von innen verschlossenen Raum, erschlagen mit dem schweren Messingständer für die Osterkerze. Das Thema der Veranstaltung „Wahrheit“ wird nun ganz anders als vorge sehen bearbeitet, unter der Federführung der beiden Kommissare und des katholischen Moraltheologen Philipp Laubmann, der auf Wunsch von Prälat Glöcklein bei den Ermittlungen hilft. Schließlich hat er schon so seine Erfahrungen mit gewalttätigen Todesfällen in Theologen- kreisen und kennt die beiden Kommissare gut. (Notiert im ersten Band dieser Reihe: Der zerrissene Rosenkranz.)

Ein wichtiges Beweisstück taucht während der Frühmesse im Gesangbuch eines Professors auf, aber fast jeder hätte es dort hineinlegen können. Das Motiv für den Mord bleibt lange unklar; erst gibt es keins und dann erfährt man von zwei relativ harmlosen, fast schon verjährten Geschichten. Aber Laubmann forscht intensiv nach und rechtzeitig vor Tagungsschluss wird der Täter überführt.

Philipp Laubmann ist ein sympathischer Typ, dem man beim Ermitteln und Denken gern zuliest. Obwohl er ein wenig schräg drauf ist: er sammelt kleine Teufel und serviert Gästen schon mal Gerichte mit gleichfarbigen Zutaten, außerdem liebt er es Zitate zu verwenden, gerne auch auf Latein. Der Bärenzwinger ist der zweite von drei Bänden, in denen er mit der Polizei nach Mördern sucht, bzw. beinahe im Alleingang die Fälle löst.

Diesen Krimi kann man sehr gut lesen: spannend, logisch, mit überzeugendem Motiv, unterhaltsam, amüsante Szenen und insgesamt ohne Schockelemente. Einen Extra-Pluspunkt gibt es für die faszinierende locked-room-Variante.
Die Professoren und Professorinnen sind übrigens nicht alle sondern nur überwiegend Theologen und sie werden authentisch geschildert, also weder abgehoben heiligmäßig noch allzu negativ. Wahrscheinlich hatten die Autoren vorbeugen wollen, falls jemand sich selbst oder einen Kollegen wiederzuerkennen meint. 
Vorn im Buch steht auch sicherheitshalber:
Jede Ähnlichkeit mit lebenden oder verstorbenen Personen oder mit tatsächlichen Ereignissen wäre rein zufällig und nicht beabsichtigt.

Das Geistliche kommt in der Geschichte gelegentlich vor, wird aber zurückhaltend dargestellt. Laubmann betet das Stundengebet, aber das wird nur kurz erwähnt. Dieser zweite und der dritte Band der Reihe gefallen mir besser als der erste, obwohl alle Bücher mit Philipp Laubmann lesens- und empfehlenswert sind.

Die beiden Bamberger Autoren Stefan Fröhling und Andreas Reuß - beide selbst Theologen - haben wieder viel Kulturelles, Historisches, Literarisches beschrieben; neben der Krimihandlung ist es so, als ob man bei Führungen in und um die Babenburg dabei ist.

Der erste und der dritte (leider letzte) Band wurden auf diesem Blog schon vorgestellt: Der zerrissene Rosenkranz und Teufelswasser.

288 Seiten, 2006

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen