Sonntag, 7. Juli 2013

Teufelswasser von Fröhling & Reuß

Philipp Laubmanns dritter Fall

Kirchenkrimi
 

Ein Kurgast wird in der Badewanne ertränkt; im Nebenraum schläft der katholische Theologe Dr. Laubmann im Moorbad und schon wieder kann er in einer Mordsgeschichte beim Ermitteln helfen. Laubmann ist Dozent an der Universität, seine Habilitation wird einfach nicht fertig, er kann sich nicht entscheiden, ob er Priester werden will und er hasst es, wenn er danach gefragt wird. In diesem dritten Krimi wird er von Mutter und Cousine zum Abnehmen nach Bad Kissingen geschickt. Dort und in seiner Heimatstadt Bamberg geschehen die Morde, die ihn – willkommenerweise – vom Diäten abhalten. Die Kommissare von Bamberg kennt man schon aus den vorherigen Bänden und jetzt kommt ihre Kollegin aus Bad Kissingen hinzu; das Kompetenzgerangel und die gegensätzliche Verhörstile erfreuen die Leser.
 
Die zweite Tote ist Mitglied eines Säkularinstituts, d.h. einer Ordensgemeinschaft, deren Angehörige meist in ihren eigenen Wohnungen leben und nicht gemeinsam in einem Konvent oder Kloster. Der Hauptsitz dieses Instituts ist ein marodes Gebäude mit beträchtlichem Landbesitz, der verpachtet wurde. Der Titel Teufelswasser bezieht sich auf die beiden Ertränkten sowie auf eine Quelle, von der man Heilwasser erhofft. Geht es um Privates, Vergangenes? Um Geld, Einfluss oder darum einen Erpresser loszuwerden? Lange Zeit ist alles möglich, fast jeder hat Geheimnisse und guten Grund, solange wie möglich zu schweigen.
Durch die Ermittlungen und Verhöre kommen die Kommissare und der Theologe ziemlich rum: Kurbad, Kirche, Spielbank, Dessousladen, Antiquariat, Sauna usw. Es gibt wie im ersten Band eine Action-Szene, dieses Mal mit einem Großaufgebot Polizei, um einen Verdächtigen zu verhaften.
 
Kulturelles, Geschichtliches, Kunst, Christliches, Kirchliches werden wieder ausführlich geschildert, wie schon im ersten Band Der zerrissene Rosenkranz, dort war es Bamberg, dieses Mal liegt der Schwerpunkt auf Bad Kissingen. Die Krimis von Fröhling und Reuß bringen immer auch Stadtführungen, Kurzvorlesungen und gelungene Alltagsweisheiten: (Zitat Seite 254) Trotz des Navigationssystems im Dienstwagen gelangten sie rasch ins Zentrum.
 
Ein spannender, gehaltvoller Krimi mit einer großen Menge an Figuren, Szenen und Handlungssträngen, aber auch mit sehr viel Humor. Das Geistliche bzw. die Geistlichen kommen extrem gut weg, dermaßen überraschend gut weg, dass ich mich darüber gewundert habe. Teufelswasser ist für Katholiken geeigneter als alle anderen Krimis über katholische Ermittler, die mir bisher vor Augen kamen. (Ausgenommen selbstverständlich die Krone der katholischen Detektive: Chestertons Pater Brown!) Geradezu liebevoll wird der Monsignore im Kurbad beschrieben, wie er zu seinem Leidwesen im Schwimmbad die Honneurs für drei noble Damen in Badeanzügen machen muss oder wie er zum Sammeln von Erfahrungen in die Spielbank geht und dort gleich erkannt wird.
Dieses Buch kann man ohne Probleme jedem noch so empfindsamen Katholiken zum Lesen geben. (Ganz im Gegensatz zum ersten Krimi von Fröhling und Reuß, der erspart u.U. blutdrucksteigernde Medikamente.)
 
Stefan Fröhling wurde 1957 in Bamberg geboren. Er ist Diplomtheologe und lebt in seiner Geburtstadt. Fröhling arbeitet als Autor, Korrektor und ist seit vielen Jahren auch für den Bayerischen Rundfunk tätig. Andreas Reuß wurde 1954 in Bamberg geboren, wo er bis heute lebt. Der studierte (katholische) Theologe und Germanist ist hauptberuflich als Lehrer am Gymnasium tätig, außerdem ist er Fotograf und Lokalpolitiker.
Homepage von Andreas Reuß
 
429 Seiten (uff!), 2008 (bisher der dritte und letzte Band um den theologischen Hobbydetektiv Laubmann aus Bamberg)


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