Freitag, 28. Juni 2013

Petri Heil, Herr Pastor von Claus Beese

Erzähltes – Humor
 
 
Petersen geht sonntags nicht in die Kirche. Dem jungen Pastor Klaaspeder erklärt er, in der Natur spürt er mehr von Gott als im Gottesdienst, deswegen geht er lieber angeln. Ausgerechnet Petersen, der Vater von Katrin, der hübsches- ten jungen Dame im Ort. Nachdem Klaaspedder mal wieder von der Kanzel gegen die Angelei gewettert hat, bekommen die Herren vom Verein Ärger mit ihren Frauen, die ihre Ausrüstungen verstecken - aus Notwehr besorgen die Männer Schlafpulver .... Dann aber sagt Katrin dem Pfarrer, sie würde nur einen Angler heiraten (Zitat Seite 23) „weil nämlich die Angler ein Auge für die kleinen Schönheiten und Wunder der Natur haben, ruhig, gütig und geduldig sind und in ihrer Seele friedvoll und rein!“. Darum freundet sich Klaaspedder mit Katrins Vater an und lernt dessen Lieblingshobby. Ganz heimlich, denn eigentlich haben nur Vereinsmitglieder das Recht zum Fischen und außerdem hat die Gemeinde noch die Predigten in den Ohren. Die beiden Männer treffen sich am Mühlenteich, wo es spuken soll, seitdem ein Mann dort vor 30 Jahren verschwunden ist; alle machen einen großen Bogen um dieses Gelände.

 
Der Pastor begeistert sich schnell für das Angeln, er kauft eine eigene Ausrüstung und haufenweise Fachliteratur, aus ihm ist ebenfalls ein eifriger Petrijünger geworden und darüber erinnert er sich manchmal erst im letzten Moment an seine Termine und rennt von der Angel weg in die Kirche. Gelegentlich bemerken dann die Gottesdienstbesucher, wie sich um die Füße des Pastors eine Pfütze bildet, obwohl es überhaupt nicht geregnet hat. Das plattgetretene Gras am Mühlenteich fällt schließlich auf und vom Verein wird die Polizei eingeschaltet, die den unbekannten „Schwarzangler“ finden soll.

Natürlich geht alles gut aus: der Pastor wird nicht angezeigt, der Spuk um den verschwundenen Mann wird geklärt, Petersen geht wieder in die Kirche und selbstverständlich werden aus Katrin und dem Pastor ein Ehepaar. Happy End auf der ganzen Linie.

Die Handlung spielt zwischen den beiden Meeren und zu Beginn der Fünfziger. Das gibt ihr eine gewisse Zeitlosigkeit und etwas Märchenhaftes. Sehr schön erzählt, mit vielen Infos über das Angeln und die Natur, die Menschen sind alle sympathisch, das Geistliche wird respektvoll geschildert. Mit kleinen Episoden aus dem Gemeindeleben, wie z.B. über ein Ehepaar, dass sich am Taufbecken immer noch nicht auf einen Namen für ihren Jungen einigen kann. Durchweg heiter, man kann auch mal laut lachen; aber es wird auch die Armut einer kinderreichen Familie erwähnt und die traurige Ursache, weswegen der Maurer Petersen nicht mehr zur Kirche gehen wollte.

Petri Heil, Herr Pastor ist eine wunderbare Erzählung mit viel Humor. Eine kleine Perle der Unterhaltungsliteratur, mit sehr liebevoll gezeichneten Figuren. Die 14 Illustrationen von Cornelia Ott sind bezaubernd und passen perfekt zu Geschichte und Erzählweise.

Der Autor Claus Beese (geb. 1955) ist Norddeutscher, lebt mit seiner Familie schon lange in Bremen, lernte Groß- und Außenhandelskaufmann und schreibt Artikel und Bücher über seine Leidenschaften, d.h. amüsante Boots- und Angelgeschichten. Homepage von Claus Beese

132 Seiten, 2010, Illustrationen von Cornelia Ott

 
Der 29. Juni ist der Gedenktag für die Heiligen Petrus und Paulus. Ersterer war ja bekanntlich Fischer.

Kommentare:

  1. Liebe Lara, herzlichen Dank für diese nette Rezension. Sie hat mir gezeigt, dass ich mit dem Buch erreicht habe, was ich mir vorstellte.
    Beste Grüße aus Bremen

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  2. Gern geschehen. Das Lesen dieser kleinen Geschichte hat Spaß gemacht. Sie haben wirklich Talent zum Erzählen.

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