Sonntag, 26. Mai 2013

Moderne Irrtümer und ihre Herkunft von Thomas Baumann

Von Donatisten, Ikonoklasten und anderen Ketzern

Glaubenswissen – Humor – Historisches


Der Autor ist Rheinländer. Er stellt das Thema Ketzer nicht wie üblich dar mit „im Jahr fünfhundertdingens gab es eine christliche Gruppe, die lehrte, ...., was den meisten Bischöfen Schnappatmung bereitete.“ Sondern dreht es um: Ihr Zeitgenosse meint dies oder jenes? Da gibt es doch sicher eine häretische Gruppe, die schon früher so drauf war und der er sich anschließen oder deren Bezeichnung er übernehmen könnte. Zum Beispiel die Ablehner „süßlicher“ Jesusbilder nennen sich einfach Ikonoklasten. Das würde bei Partygesprächen viel mehr hermachen.
Leserfreundlich wird auch getrennt bei den Empfehlungen, wer sich welche Ketzerei aussuchen kann: Ketzereien für Konservative einerseits und Ketzereien für Progressive. Allerdings betrifft das nicht nur den Glauben, sondern allgemein den gesellschaftlichen und politischen Zeitgeist. So erklärt sich auch die Aufforderung von Thomas Baumann: Seien Sie ein echter Ketzer!

Mit Schmunzeln erfährt man: Donatisten verknüpfen die Gültigkeit der Sakramente mit der Würdigkeit der Spender (sie meinen, ein unwürdiger Bischof kann nicht gültig Priester weihen) – Ikonoklasten sind Bilderstürmer, die Probleme mit sakraler Kunst haben, wenn dort Heiliges abgebildet ist – Arianer halten Jesus für einen tollen Menschen. Dazu Infos über Manichäer, Gnosis, Puritaner, Luther und den Freien Willen uvm.

Etwas Vorwissen über europäische Geschichte im Allgemeinen und Historie des Christentums im Besonderen kann nicht schaden, sonst entgehen einem die zahlreichen Finessen wie z.B.: „Heinrich VIII. [..]war bekanntlich ein begnadeter Musiker.“ (Zitat S. 63f.)

Moderne Irrtümer und ihre Herkunft bietet Infotainment vom Feinsten und auf höchstem Niveau. Ein Parceforceritt durch 2000 Jahre Christentum mit Exkursen wie z.B. über Luis Bunuel, Wellness, die Beschneidung bei den Nachbarreligionen. Der Autor verbindet enormes Wissen mit bester Erzählkunst. Das Buch ist sehr unterhaltsam und voller Humor. Der Perspektivwechsel und die Gegenüberstellung von Political Correctness und Puritanical Correctness sind allein schon das Lesen wert.

Kleine Warnung: (Zitat S. 93) Gern wird mir vorgeworfen, [..] ich sei antiprotestantisch. Das stimmt so nicht, weder im Herzen noch auf dem Papier. Aber antiökumenisch? Nun, das vielleicht schon eher.

Thomas Baumann (geb. 1964) ist studierter Philosoph, plus Theologe, semitischer Sprachwissenschaftler, Gatte, Vater und war Pastoralreferent. Heute lebt er als freier Musiker am Niederrhein und bloggt.
 
157 Seiten, 2011

Kommentare:

  1. Mit Gruß:

    http://www.youtube.com/watch?v=JApax3L1mbo

    Th.B.

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    1. Hallo Thomas,da ich Dich kenne kann ich nur sagen:Du bist so wie Du auch schreibst.Wir können froh sein Dich als Chorleiter im Shanty-Chor -Hiesfeld zu haben.Heribert

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  2. Aaah! Eine Komposition von dem begnadeten Musiker König Heinrich VIII. Jetzt kann sich jeder über das Ausmaß dieser Gnade ein eigenes Bild machen. Danke für den Link. ;-)

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