Sonntag, 16. Dezember 2012

Geistliche Musik von Andrew Wilson-Dickson

Ihre großen Traditionen – Vom Psalmengesang zum Gospel

Musik – Historisches – Liturgie – Bilder

 

Das Buch beschreibt verständlich die geistliche Musik, von den Anfängen wie man sie aus dem Alten Testament kennt, danach die der frühen Kirche, das Psalmensingen, Klöster, Stundengebet, Mittelalter, Gregorianischer Choral, die Entwicklung der Messen (zum Beispiel mit einem Text aus dem 5. Jahrhundert über einen Ostergottesdienst in Jerusalem), den Weg zur Mehrstimmigkeit und der Verwendung von Instrumenten wie z.B. der Orgel, Reformation, Eigenständiges der Anglikanischen Kirchenmusik, Schütz, Bach, Händel, Sakralmusik der Calvinisten, Gegenreformation, Monteverdi, Oratorien, Messen, Bruckner, Solesmes, die orthodoxe geistliche Musik (22 Seiten) einschließlich Arvo Pärt, afrikanische und nordamerikanische Gesänge, Spirituals, Zeitgenössisches bis NGL und Taizé, bis etwa in die Achtziger des letzten Jahrhunderts.

Dazu gibt es auf jeder Seite Abbildungen, zum Beispiel mit Noten oder wie Psalmen gesungen werden. Daneben stehen Exkurse über bestimmte Themen oder Leute: das Goldene Zeitalter der spanischen Musik im 16. und 17. Jahrhundert; die Entstehung von Händels Messias, Herrnhuter Brüdergemeinde, Beschreibung eines protestantischen Gottesdienstes an Weihnachten in Berlin im 17. Jahrhundert, Notation in der griechisch-orthodoxen Kirche, Olivier Messiaen uvm. Man erfährt, wie ein anglikanischer Gottesdienst abläuft oder eine Göttliche Liturgie.

Ein absolut herrliches Buch, man lernt enorm viel über Sakralmusik und einiges über Kirchengeschichte. Da der Autor Anglikaner ist, gibt es ausführliche Informationen über die protestantischen Entwicklungen. Daneben sind die Orthodoxen zu knapp vertreten, da hätte es ein wenig mehr sein können.

Es macht große Freude, das Buch zu lesen oder sich auch nur die Bilder anzusehen, und es ist ideal für Einsteiger zum Thema Kirchenmusik. Und sind wir das nicht fast alle? Andere Werke, die einen Überblick über Geistliche Musik bieten, d.h. sich nur mit ihr befassen, sind mir nicht bekannt. Schade, denn darüber würde ich gern mehr lesen und mir Beispiele auf einer CD anhören. Eine erweiterte Fassung in mehreren Bänden wäre sicherlich eine finanzielle Herausforderung, aber schließlich gibt es ja noch die öffentlichen Büchereien.

(Einziger Minuspunkt: Kleine Schrift! Vor allem im Anhang bei den Fußnoten, der [minimalen] Ergänzenden Literatur, bei Glossar und Index.)


Vielleicht ist es auch gut, dass nicht mehr Bücher über Kirchenmusik erhältlich sind. Am Ende würden bei leicht zu begeisternden jugendlichen Musikliebhabern die falschen Berufswünsche aufkommen.


256 Seiten, 1992, übersetzt aus dem Englischen (The story of Christian music) von Barbara Trebing, deutsche Bearbeitung und Ergänzung von Ute Zintarra und Klaus Heizmann, Abbildungen auf jeder Seite (Fotos, Zeichnungen, Noten)

 

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