Donnerstag, 6. Dezember 2012

Der Glocken Schlag von Dorothy L. Sayers

Variationen über ein altes Thema in zwei kurzen Sätzen und zwei vollen Zyklen

Krimi – Erzähltes – Musik


Hobbydetektiv Lord Peter Wimsey landet an Silvester wegen eines Autounfalls in einem kleinen Ort in Ostanglien. Er wird von dem anglikanischen Pfarrer eingeladen zu bleiben und hilft dort beim Glockenläuten aus, neun Stunden lang. Es geht um einen Rekordversuch: das Läuten eines Kent Treble Bob Major mit 15840 Wechseln. Der Rekord gelingt. Monate später, an Ostern, wird auf dem Friedhof neben der Kirche eine unbekannte Leiche gefunden. Der Pfarrer bittet Lord Peter um seine Hilfe, der umgehend aus London anreist, den Mörder sucht und findet.

Ein sehr schöner, altmodischer Kirchenkrimi. Sehr spannend und nur ein wenig brutal, falls man zart besaitet ist.
Eigentlich dachte ich, der Glocken Schlag sei die Mutter aller Kirchenkrimis, aber der berühmteste – geschrieben von der weltweit erfolgreichsten Autorin für Morde – ist doch noch 4 Jahre älter. Mir gefällt dieser besser, Dorothy L. Sayers ist eine sehr gute Erzählerin, im Buch gibt es eine Zeichnung der Kirche (eine fiktive Kirche) und Wimsey ist der interessantere Ermittler. Für Fans von Agatha Christie könnte es zu viele Beschreibungen von Orten, Leuten und Glocken geben, aber es entsteht dadurch eine wunderbare Atmosphäre. Dank der Pfarrerstochter Dorothy Sayers lernt man dazu den englischen Brauch des Wechselläuten kennen, von dem man ohne diesen Roman nie etwas gehört hätte, als Kontinentaler.

Das Vorwort von D.L. Sayers beginnt mit:
Hin und wieder beschweren sich Leute über das Läuten der Kirchenglocken. Es mutet seltsam an, daß eine Generation, die das Gebrüll von Verbrennungsmotoren und das Geheul der Jazzbands klaglos hinnimmt, derart empfindlich sein soll gegenüber dem einzigen lauten Geräusch, das zu Ehren Gottes erzeugt wird.“


293 Seiten, 1934, meine Ausgabe von 1978, aus dem Englischen (The Nine Tailors) übersetzt von Otto Bayer, von dem auch im Anhang eine kurze Einführung in die Kunst des Wechsel- oder Variationsläuten (der Kirchenglocken) abgedruckt ist: 'Kleine Campanologie für Uneingeweihte'

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