Montag, 3. Dezember 2012

Das Buch der Gründungen

von Teresa von Avila

Biographisches – Heilige - Klassiker


511 Seiten, geschrieben zwischen 1573 und 1582, danach mehrere Abschriften des Manuskripts, 1610 erster Druck (mit Kürzungen), 1861 erste ungekürzte Ausgabe, 1919 erste Ausgabe mit wissenschaftlichen Anmerkungen, erste Ausgabe auf Deutsch (gekürzt): 1649
Der abgebildete Band erschien 2007, herausgegeben, übersetzt aus dem Spanischen (Libro de las Fundaciones) und eingeleitet von Ulrich Dobhan OCD und Elisabeth Peters OCD (OCD = Angehörige des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten bzw. der Unbeschuhten Karmelitinnen)


Die Heilige Teresa von Avila, Nonne bei den Karmeliten, hat ihren Orden reformiert und viele Frauen- und ein Männerkloster gegründet, insgesamt 18. In diesem Buch schreibt sie über diese Gründungen und ihre Reisen zu den Orten in ganz Spanien, an denen Kloster geplant oder errichtet wurden. Auch die jeweiligen Umstände, die zur Gründung führten, diese erschwerten oder verhinderten, werden erwähnt. Daneben gibt es ausführliche Ratschläge für Priorinnen und für das innere Beten.

Eingebettet ist der Text in eine 80-seitige Einführung der Herausgeber, dazu Erklärungen wichtiger Begriffe und Abkürzungen, Orts- und Personen-verzeichnisse und einer Literaturliste.
Auf jeder Seite unten sind Fußnoten - teilweise über die Hälfte der Seite - die den Text der Heiligen Teresa erläutern. Das ist sehr hilfreich und interessant, man kann das Original aber auch ohne die Anmerkungen gut verstehen.

Der Text liest sich ausgesprochen locker flockig, als würde Teresa neben dem Leser sitzen und im Plauderton berichten, wie es war mit den Klöstern und welche Menschen sie traf, welche Probleme es gab und was ihr durch den Kopf ging. Die Zeit - immerhin fast 450 Jahre - scheint spurlos an dem Buch vorbeigegangen zu sein. Die Texte der Herausgeber sind da schon stellenweise akademischer, bleiben aber dennoch gut verständlich (ordentliches wissenschaftliches Arbeiten ist ja ihre Aufgabe, da dürfen sie auch in der Schreibe ihren üblichen Stil verwenden). Natürlich war Teresa Ordensfrau, tiefgläubig, der Zeitgeist war ein ganz anderer und außerdem schrieb sie auf, weil man das von ihr verlangte (die Obrigkeit wollte wissen, was diese Frau so treibt und wieso), aber sie konnte hervorragend formulieren; was ein Glück für uns, dass sie über ihr Tun Rechenschaft ablegen musste.

Ein wunderbares Buch und es liest sich mit Genuss runter wie ein Unterhal-tungsroman. In vielen Biographien beschreiben die Autoren ihre Heiligen mit übergroßem Respekt, vorsichtig und manchmal süßlich, so dass die Beschrie-benen blass bis übermenschlich oder sogar masochistisch wirken. Nicht so im Original bei Teresa, da kann man die Frische vom '“Buch der Gründungen“ so richtig genießen. Quasi eine Bridget Jones, aber natürlich auf hochkatholisch.

Teresa von Avila ist übrigens eine der 35 Kirchenlehrer der Katholischen Kirche, zu denen noch drei weitere Damen gehören: Caterina von Siena, Hildegard von Bingen und Therese von Lisieux.

Auf dem großen Videoportal gibt es einen längeren Film über das Leben von Teresa von Avila, auf Spanisch mit englischen Untertiteln (Titel: „Teresa de Jesus (Teresa of Avila)“). Allerdings habe ich den noch nicht gesehen und weiß nicht, ob man ihn empfehlen kann.


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