Sonntag, 19. Februar 2017

Sonntagsarbeit

von Christiane Müller

Eine evangelische Pfarrerin packt aus

Gemeinde – Biographisches


Christiane Müller ist evangelische Pfarrerin, sie berichtet von ihrem Weg nach dem Studium. Als Bayerin muss sie in die fränkische Provinz, dort dann das Viakriat, die ersten Lehrjahre, u.a. mit Religions- und Konfirmantenunterricht. In der Schule lernt sie, sich nach dem Schreiben an der Tafel rechtzeitig umzudrehen, damit die Papiergeschosse nicht den Hinterkopf treffen. (Also auch evangelischen Theologen sind besondere Bußformen bekannt, habe ich mir schon gedacht.)

Vor ihrer ersten richtigen Pastorenstelle verbringt sie ein Jahr in einem evangelischen Kloster mit hochkirchlicher Ausrichtung und sehr hilfreichen Mentoren. Danach folgt das pralle Pfarrerleben, erst im ländlichen Bereich, später in einer mittelgroßen Stadt. Beides mit unterschiedlichen Anforderungen.

Das Buch bietet einen hervorragenden Einblick in das Berufsleben eines Pfarrers, in der Regel mit 24/7-Einsatzbereitschaft und fehlenden positiven Rückmeldungen.
Bräute möchten auch hier vom Vater zum Altar gebracht werden, alles Argumentieren hilft nicht. Dies scheint ein immer wieder verlorener Kampf in Trauungsgesprächen zu sein, weil fast alle Pastoren in ihren Büchern darüber berichten.
 
Die Autorin gibt einen authentischen Einblick, ohne allzu persönlich zu werden. Dazu ein paar Highlights aus dem geistlichen Alltag:
„ … wollen wir die kleine Nicki [4 Jahre] jetzt taufen.“
Da passiert es. Nicki holt tief Luft, läuft purpurrot an und plärrt: „NEINNNN!“ (Seite 55)

Ein aufschlussreiches und unterhaltsames Buch, das die Leser neugierig macht auf ihren Pastor und dessen Gemeinde vor Ort.


180 Seiten, 2015, Windsor Verlag

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