Mittwoch, 20. April 2016

Ganz weit draußen

von Maria Anna Leenen
 
Erzähltes
 
Tessa ist Ende Zwanzig, mit ihrem Freund und dem Job läuft es schon länger nicht gut, als sie durch eine Fahrradpanne eine Eremitin (christliche Einsiedlerin) kennen lernt. Nach einem weiteren Stress-Tag beschließt sie eine Auszeit in deren Einsiedler-Klause in Norddeutschland, um sich zu erholen und den Kopf wieder klar zu bekommen. In der schlichten Unterkunft mit einfachem Essen und einem ausgeschalteten Handy kann sie sich ausruhen, etwas im Haushalt und im Ziegenstall helfen, dazu erhält sie täglich kurze Texte von geistlichen Autoren oder aus der Bibel. Tessa hat die Möglichkeit mit der Eremitin darüber zu reden, die allerdings nicht nur zuhört sondern auch fragt und ihre Perspektive zu Tessas Leben, Denken und Glauben einbringt.
Durch den Aufenthalt „ganz weit draußen“ ändert sich …. einiges.

Im Nachwort erklärt die Autorin, Ganz weit draußen sei der Versuch, Fragen über das Eremitentum in Form einer Erzählung zu beantworten. Das ist großartig umgesetzt. Der Leser erfährt, wie Eremiten ihren Alltag gestalten, welche Arbeiten sie verrichten, welche Erwerbstätigkeit sie haben und auf welche Weise sie für Andere da sind. Sicher ist das bei jedem Einsiedler individuell, aber die Unterschiede sind nicht riesig.
Darüber hinaus ist Ganz weit draußen eine Geschichte mit christlichem Inhalt und zwar im Kern, nicht nur in einzelnen Passagen, und weit davon entfernt, eine Wellness-Erzählung für Leute mit etwas spirituellem Bedarf zu sein, die Eremiten für Aussteiger ohne Insel oder Ausland halten. Man liest von Tessas Erlebnissen und dabei wird grundlegendes Wissen über Gott und den Glauben vermittelt. Dazwischen gibt es Ziegen-Content, der mir ebenfalls gefallen hat.

Geistliche Erzählungen aus katholischer Feder gibt es derzeit selten, zumindest auf Deutsch. Umso schöner, wenn die wenigen Bücher ein hohes Niveau haben, dazu unterhaltsam, mit sympathischen Figuren und nachvollziehbaren Einstellungen und Entwicklungen sind, so wie es bei Ganz weit draußen der Fall ist.
Rundum gelungen und uneingeschränkt empfehlenswert!

Das Buch ist gewidmet:
Für all meine Schwestern und Brüder auf dem eremitischen Weg.

Maria Anna Leenen, Jahrgang 1956. Als junge Frau arbeitete sie in einer PR-Agentur und ging nach Südamerika, um dort Büffel zu züchten. Aber das Leben erschien ihr irgendwann farblos und leer. Mit 30 Jahren trat sie in den katholischen Klarissenorden ein und verbrachte einige Zeit im Kloster. Heute lebt sie als Eremitin in der Klause „St. Anna“ mitten in Wiesen und Wäldern in Norddeutschland.
(Zitat von Seite 205)
Ihre Homepage mit Biographie und allen Büchern sowie Aktuellem.

Maria Anna Leenen hat eine ganze Reihe empfehlenswerte Bücher verfasst, davon wurden das Sachbuch Einsamkeit schafft Raum und der Kinder-Kirchenkrimi Schatten über St. Klara im Blog schon vorgestellt. Das Ziegenbuch Von Ziegen lernen heißt leben lernen habe ich außerdem mit Vergnügen und Erkenntnissen gelesen, es ist erfrischend, psychologisch-erhellend plus christlich und hat aussagestarke Fotos der Hauptfiguren.
Sein Wissen über Eremiten kann man theologisch vertiefen mit Maria Anna Leenens Sachbuch Eremitsches Leben heute von 2009. (Liegt gerade neben der Tastatur.)

205 Seiten, 2015, mit einigen Schwarzweiß-Fotos mit Motiven der Klause, Ziegen und Landschaft, Adeo Verlag

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