Samstag, 13. Februar 2016

Credo

Wissen, was man glaubt

von Josef Bordat

 
Der Hauptteil von Credo – Wissen, was man glaubt besteht aus den einzelnen Aussagen des Apostolischen Glaubensbekenntnisses (das ist das kürzere), die jeweils ein Kapitel bilden, teils mit Unterkapiteln. Angefangen mit Ich glaube und beschlossen mit das ewige Leben und Amen.

Nach einer knappen Übersicht, wie die beiden großen Credos entstanden sind, gibt es zu jeder Glaubensaussage ausführliche Erklärungen. Hinzu kommt bei einigen Themen, welche Einwände es gegen sie gibt und wie sie entkräftet werden. Beinahe alle relevanten Punkte des christlichen Glaubens kommen vor. Es fehlt lediglich, was nicht im Credo steht, zum Beispiel Liturgie oder Kirchengeschichte.
 
Die Glaubenswahrheiten werden nachvollziehbar erläutert. Dazu wird unter anderem besonders auf die Schöpfung eingegangen, die Kritik der Evolutionisten zurückgewiesen, dargestellt woher man Fakten über Jesus erfährt, nämlich nicht nur durch christliche Überlieferungen sondern auch von Historikern der heidnischen Welt. Die Tötung und Auferstehung Jesu werden behandelt, Unbefleckte Empfängnis und Himmelfahrt. Zur Spannung zwischen allmächtig, barmherzig und dem Leid gibt es vielen Seiten. Beim Heiligen Geist wird die Dreifaltigkeit thematisiert; bei den Abschnitten Maria und Kirche geht es um allgemein Christliches und spezifisch Katholisches.
Und dies sind nur einige der besprochenen Inhalte.
 
Davor im ersten Teil des Buchs untersucht Josef Bordat, was eigentlich mit dem Begriff „glauben“ ausgesagt wird. Es geht um Philosophie und Theologie, Nicht-Wissen-Können, Wissenschaft und Wissenschaftler. Auf die Religionskritik von Nietzsche wird eingegangen und erklärt, welche Ansichten Kant, Leibniz und andere Philosophen vertraten.
 
Als Nachwort im Kapitel Bekenntnis werden Meinungs- und Religionsfreiheit in der gegenwärtigen Welt näher betrachtet. Der Band schließt mit der Frage, warum man eigentlich heutzutage jede Überzeugung im Gespräch oder im sozialen Diskurs frei aussprechen und sein Handeln damit begründen kann, und dies nur beim (christlichen) Glauben ungern akzeptiert wird.


Man kann dieses relativ kurze, enorm inhaltsreiche Buch mit seiner Unterteilung in zwanzig Kapitel sehr gut an wenigen Tagen lesen, selbst wenn man nicht viel Zeit zur Verfügung hat. Darüber hinaus bietet es sich für Gruppen an, in denen man über eventuell aufkommende Fragen oder Gegen-Argumente miteinander sprechen könnte. Viele der wissenschaftlichen Begriffe und Sichtweisen werden mit einem Beispiel verdeutlicht; häufig besteht dies nur aus einem Wort und schon weiß man Bescheid. Bei etwas komplexeren Gedankengängen hält der Autor die Sätze kurz, eine gute Methode, dadurch kann der Leser ohne Probleme folgen. Allerdings fordern einige der angesprochenen Themen durch ihre generelle Vielschichtigkeit schon heraus. Das ist natürlich abhängig davon, wie sehr man sich bereits mit theologischen und philosophischen Texten beschäftigt hat oder ob in den Kapiteln für den Leser viel Neues steht. Für mich waren die Aussagen des Credos und die Überlegungen zum Bekenntnis prägnant geschrieben, mit einigen neuen Aspekten und insgesamt einfach aufzunehmen. Wer vorher schon im Wesentlichen weiß, was er glaubt, wird die gleiche Erfahrung machen.

Davor, wenige Seiten im ersten Teil, als es um Philosophie ging und um die Auseinander- setzung der großen Denker mit dem Christentum, musste ich etwas langsamer lesen. ( „Normative Phänomene“ und Kierkegaards „absoluten Glaubenspositivismus“ müsste ich mal nachschlagen. Allerdings lernt man nur so, das heißt bei den nächsten philosophischen Texte geht es dann leichter.) Wie gesagt handelt es sich nur um wenige Begriffe zu Beginn, verstärkt durch die Tatsache, dass ich mich fast nie mit Rein-Philosophischem beschäftige. 
 
Insgesamt wird das Versprechen des Buchtitels eingelöst, nach dem Lesen, weiß man wirklich, was man glaubt. Beziehungsweise, was die Kirche glaubt und man selbst glauben sollte. Oder, was Christen glauben, wenn man nicht dazu gehört. Das ist auch wichtig, damit man nicht aneinander vorbeiredet, wenn man sie kritisiert.

Besonders alle, die bei ihrem eigenen Glaubens-Bekenntnis noch Fragen oder kritische Punkte haben, finden in Credo Antworten. Es ist ein wirklich gelungenes Buch über das grundlegende Glaubenswissen.

Eine meiner Lieblingsstellen aus dem Abschnitt „Ich glaube“:
Steht am Anfang das Vertrauen, so steht am Ende die Treue. [..] Wenn Gott sich für uns entschieden hat, ja selbst wurde wie wir, und uns treu ist, in der Kirche durch das Wirken des Heiligen Geistes bei uns bleibt, dann sollten auch wir uns für Gott entscheiden – alle Tage bis zum Ende unseres Lebens. Auch wenn es schwer wird. (Zitat Seite 49)


Der Autor Josef Bordat wuchs in Straelen am Niederrhein aus, er schloss ein Studium Wirtschaftsingenieur (Dipl. Ing.) ab und studierte danach Soziologie und Philosophie in Berlin und Peru, 2006 Promotion in Berlin zum Dr.phil. Er lebt mit seiner Frau in Berlin und ist ehrenamtlich als Küster, Lektor und Katechet tätig. Er veröffentlichte mehrere Bücher, darunter Das Gewissen (2013), und hält Vorträge auf Radio Horeb zu Das Gewissen und seit letztem Jahr zu Faktencheck Kirchengeschichte . (Bei Horeb in die Suche einfach 'Bordat' eingeben.) Außerdem bloggt er unter Jobo's Weblog

 
168 Seiten, 2016, neben dem Umschlagbild gibt es drei farbige Hochglanzfotos von einer Ikone und zwei Abbildungen mit biblischen Motiven vom Hochaltar der Kirche St. Peter und Paul in Straelen. Umschlag: Gemälde von Nikolai Nikolajewitsch Ge: Was ist Wahrheit? Christus und Pilatus, 1890.
 

1 Kommentar:

  1. Dazu auch empfehlenswert: http://thecathwalk.net/2016/02/11/credo-wissen-was-man-glaubt/

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