Montag, 4. Januar 2016

Der Survival Guide fürs Leben

von Bear Grylls

Ein Ratgeber mit 75 kurzen Kapiteln für Erwachsene und Jugendliche, besonders für junge Herren, nach welchen Werten man sein Leben ausrichten sollte und wie man in schweren Zeiten wieder Mut findet, geschrieben von einem der weltweit erfolgreichsten Abenteurer und Survival-Experten unserer Zeit.

Solche Handbücher gibt es jede Menge, der Unterschied zum hier Vorgestellten sind die unzweifelhaft vorhandenen Erfolge des Autors und seine christliche Grundeinstellung, die im Buch zwar nur gelegentlich dafür aber umso deutlicher bezeugt wird. So zum Beispiel: „Mir hat der Glaube an Jesus Christus unbeschreiblich viel Halt und immer wieder neue Kraft gegeben.“ (Seite 94). Gleich anschließend wird eine Internet- adresse für Alphakurse genannt und empfohlen, an den Veranstaltungen teilzunehmen. Dazu Bear Grylls' Rat bescheiden zu bleiben, speziell in erfolgreichen Lebensphasen mit dem Hinweis auf die Bibel und dem Zitat von Matthäus 23,12.

Im besten Sinne konservative Wegweiser für das Leben, gerade auch für Durststrecken und nach (vermeintlichen) Misserfolgen. Als Grundwerte werden die fünf Fs genannt: Familie, Freunde, fester Glaube, Freude, seinen Träumen folgen (Familiy, Friends, Faith, Fun, Follow your dreams). Eindringlich gewarnt wird vor den drei Gs: Girls, Gold and Glory (Mädchen, Geld und Ruhm), denn „ein weiser Mensch lernt aus den Fehlern anderer.“ (Seite 90)

Vor einem Jahr wurden im englischen Fernsehen eine Abenteuer-Sendereihe angekündigt, unter anderem mit dem Ehemann einer Enkelin der britischen Königin, dem ehemaligen Rugby-Weltmeister Mike Tindall. Es ging um acht Prominente, die eine Woche lang durch den Regenwald in Costa Rica marschierten, im Freien übernachteten und gefährliche oder seltsame Aufgaben bewältigen mussten; sechs Folgen im wöchentlichen Abstand: Mission Survive with Bear Grylls.

Eigentlich interessiert mich so etwas nicht, aber neben Herrn Tindall kannte ich von den Mitwirkenden noch eine weitere Spitzensportlerin und zwei Schauspieler und deswegen schaute ich mal live rein und war vom ersten Moment an begeistert. Es war spannend bis nervenaufreibend, sehr amüsant, die Personen waren alle enorm sympathisch, man hat mit ihnen mitgefiebert und mitgelitten, es war keine Sekunde langweilig und zwischendurch hat man sogar etwas gelernt, so zum Beispiel wie man mit einer Python fertig wird, wenn sie einem im Weg rumliegt, welche Regenwaldpflanzen man roh verspeisen darf und welche giftig sind. Am wichtigsten war, wie man Feuer macht und sich aus Ästen ein Lager bereitet, das auch gegen den starken Regen schützt (Regenwald!). Die acht Promis waren die größte Überraschung. Handverlesen und mit Drehbuch hätte es nicht besser laufen können. Mission Survive waren die mit Abstand unterhaltsamste Serie des letzten Jahres. Zum Glück gibt es Youtube und ich konnte die Sendungen öfter noch mal nachschauen. Am Ende jeder Folge wurde ein Gruppenmitglied nach Hause geschickt – das heißt so war es ursprünglich geplant – und am Ende gewann jemand, der sich bestmöglich durch den Dschungel schlagen konnte, lernfähig war und so weiter. Diese Entscheidungen haben Bear Grylls und zwei andere Survival-Experten getroffen, ein Mann und eine Frau, die mit der Gruppe gezogen sind.
Natürlich waren die Fernsehleute auch dabei, allerdings nicht im Bild. Kamera, Ton, Fahrzeugfahrer, außer dem vielbeschäftigten Sanitäter: Herr Tindall musste sogar mal eine Nacht im städtischen Krankenhaus verbringen wegen einer Platzwunde am Kopf; Dame Kelly Holmes war unterhalb der Gürtellinie komplett von Insekten zerstochen worden, mindestens fünfzig Stiche; ein Sänger hatte beim Feuermachen eine Mitcamperin am Daumen verletzt, dazu der Darm …. also es war schon was los! Und wir Zuschauer in der ersten Reihe dabei. Aber außer den drei „Betreuern“, dem Sanitäter und den acht Promis war niemand im Bild.

Wer Sendungen auf Englisch verstehen kann, dem sei Mission Survive dringend empfohlen! Zur Zeit gibt es auf YT nur noch Videos mit chinesischen und kleingeschrie- benen englischen Untertiteln, das tut dem Vergnügen aber keinen Abbruch. - Die britische Serie The Island with Bear Grylls, die zweite Staffel von 2015, ist ebenfalls gute Unterhaltung.

Vor einem Jahr habe ich also entdeckt, wie berühmt Bear Grylls ist, was er so alles erlebt und drauf hat und dass er ab und zu kritisiert wird, weil er angeblich zu oft die Religion mit ins Spiel bringt. Deswegen wurde sein Survival Guide fürs Leben neugierig gelesen und hat meine Erwartungen übertroffen. So viel „Religion“ und konservative Werte und trotzdem ein vielbeschäftigter TV-Mann, diese Kombination wäre in Deutschland höchstwahrscheinlich nicht mehr möglich.

Der britische Autor (Edward Michael) Bear Grylls (geb. 1974) ist verheiratet und hat drei Kinder. Seit 2009 ist er der (Ehren-) Ober-Scout einer Pfadfinder-Vereinigung mit mehr als 28 Mitgliedern in der Welt. Seine Abenteuer- und Survival-Shows werden in vielen Ländern gezeigt, mit hohen Einschaltquoten und jährlichen Fernsehpreisen. Die Buchrückseite spricht von rund 1,2 Milliarden Zuschauern in 200 Ländern. Dazu kommen eine Reihe von Büchern, meist zu den Themen Überleben in der Wildnis und Fitness. Seine Autobiografie (Mud, Sweat and Tears), in der sein Fallschirmabsturz, die Heilung seiner drei Wirbelbrüche und die Besteigung des Mount Everest geschildert werden, wurde zum Bestseller.

271 Seiten, 2012, aus dem Englischen (A Survival Guide for Life) übersetzt von Yvonne Rolli, Plassen Verlag 

Die britischen National Television Awards 2016 begannen mit diesem zweiminütigen Film, Bear Grylls und der Moderator der Preisverleihung Dermot O'Leary.

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