Dienstag, 14. Oktober 2014

El Greco malt den Großinquisitor

von Stefan Andres

Erzähltes – Literatur


Der berühmte Maler El Greco hat schon für den spanischen König Philipp gearbeitet und erhält jetzt den Auftrag ein Gemälde des spanischen Großinquisitors anzufertigen. Schweren Herzens zieht er nach Sevilla und trifft den Mann, vor dem alle Welt Angst hat.
Während der Sitzungen wird der Großinquisitor krank und fragt El Greco, ob er nicht einen guten Arzt empfehlen könne. Er weiß, dass der Maler eng mit Doktor Cazalla befreundet ist, dessen Bruder vor wenigen Jahren der Ketzerei verdächtigt wurde und dann zu Tode kam. El Greco hat keine andere Möglichkeit, als seinen Freund zu benachrichtigen, der anreist und in den nächsten Wochen die Behandlung des Schwer- kranken übernimmt.

Keine komplett erfundene Begegnung, das Bild des spanischen Kardinalinquisitors Don Fernando Niño de Guevera gemalt im Jahr 1600 von El Greco existiert wirklich, die Treffen der Beiden haben tatsächlich stattgefunden.

Eine sehr dichte Geschichte, über die Nahansicht des absolut Mächtigen, der Furcht, dem Drang nach Rache und der Entscheidung, sich von dem Auftrag, den Gott dem Menschen mitgab, nicht abbringen zu lassen. Entsprechend heilt der Arzt den Großinquisitor und der Maler stellt den Porträtierten so dar, wie es ihm seine künstlerische Auffassung eingibt, ohne Kompromisse.

Große christliche Literatur. Leider bereits vergessen.

Der Autor Stefan Andres wurde 1906 im Landkreis Trier geboren, als neuntes Kind eines Müllers und Weinbauern. Noch als Schüler trat er als Novize in ein holländischen Kloster ein, verließ es aber bereits vor Ende des Noviziats wieder und studierte Germanistik und Theaterwissenschaft. 1932 Heirat, erste literarische Erfolge, 1937 Übersiedlung nach Positano, Italien. 1948 Rückkehr nach Deutschland. (Bis hierher sind die Angaben dem vorliegenden Buch entnommen.)
In den Fünfzigern war Andres einer der meistgelesenen deutschen Autoren. 1961 zog die Familie wieder nach Rom, wo Stefan Andres 1970 starb, sein Grab ist auf dem Campo Santo Teutonico. Sein umfangreiches Werk enthält Romane und Erzählungen, Theater- stücke, Gedichte, Hörspiele, Essays, Reise- und Weinbücher. Am bekanntesten wurden die beiden Novellen El Greco malt den Großinquisitor (1936) und Wir sind Utopia (1942).
Andres drückt in seinen Werken eine Form christlichen Existenzialismus aus, sein durchgehendes Thema ist die Lebensbewältigung des Menschen zwischen Freiheit und Schuld, meist unter den Bedingungen von Diktatur und Fanatismus.(Quelle des Zitats und der Infos des zweiten Teils: Wiki, der Artikel über Stefan Andres)

 
86 Seiten, 1936, der Band vom Foto ist aus dem Jahr 1966 mit einer zwanzigseitigen Einführung in das Schaffen des Dichters Stefan Andres von Hans Hennecke mit dem Titel: Das Unerlöste und die Erlösung.


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