Samstag, 4. Oktober 2014

Der Schrei der Wildgänse

Aufbrechen zu einem freien Leben jenseits von Religion und Tradition

von Wayne Jacobsen und Dave Coleman


Erzähltes – Gemeinde


In diesem bekannten Buch (zumindest bekannt in evangelischen und freikirchlichen Kreisen) gibt es nur sehr wenig Handlung, über die  knapp berichtet wird. Hauptsächlich geht es um die Treffen und die Gespräche der Hauptfigur Jake, zu Beginn noch einer von mehreren Pastoren einer Gemeinde, und einem Fremden, der sich John nennt. John weiß viel über Jesus und verunsichert Jake in seinen Überzeugungen. Im Laufe von vier Jahren begegnen sich die Beiden immer wieder und in dieser Zeit nimmt Jakes Leben, vor allem sein Gemeindeleben, eine ganz eigene Richtung.

Jake und John reden darüber, was in den Gemeinden falsch läuft, verglichen mit damals, als Jesus unter seinen Nachfolgern gute Gemeinschaft mit lebendigen, herzlichen Beziehungen geschaffen hat, man kümmerte sich umeinander, feierte und war überall für das harmonische Miteinander bekannt. Daher kam auch die Anziehungskraft des jungen Christentums. Heutzutage kann man das in den meisten Kirchen nicht mehr finden, deswegen entfernen sich die Gläubigen von Gemeinde und schließlich auch von Gott. Außerdem bestehe in den Gruppen die Gefahr, von Verantwortlichen kontrolliert, eingeschüchtert oder falsch angeleitet zu werden.

(Zitat Seite 165) „Ich war mir vorher gar nicht bewusst, dass vieles von dem, was für mich zum Dienst gehörte, lediglich ein Manipulieren der Scham der Leute war – ob es nun darum ging, ihnen Schuldgefühle zu machen, weil sie den Maßstäben nicht entsprochen hatten, oder darum, sich die Anerkennung der anderen zu verdienen.“
Genau das ist Religion, Jake. Es ist sozusagen ein Scham-Management-System, oft mit den besten Absichten, aber immer mit den schlimmsten Folgen.“

Das Thema des Buches ist: Wie sollte eine christliche Gemeinde oder Gemeinschaft sein, was sind die Grundvoraussetzungen, was wäre der Idealfall, und was tut man, wenn man trotz Suche nicht fündig wird?

Der Schrei der Wildgänse will dazu ermutigen, sich ein Christsein ohne Gemeinde vorzu- stellen, falls man keine authentische Gemeinschaft, so wie die Autoren sie verstehen, finden kann. Vermutlich sind die Erschütterungen nach Bekanntwerden von dem schuldigen Verhalten  angesehener Prediger ein Grund für diese Überlegungen. Jedenfalls kann es Christen trösten, die sich mit „ihren“ Gemeinden überworfen haben und jetzt allein Nachfolge leben.

Der Schrei der Wildgänse ist eine hochinteressante Geschichte mit einem wichtigen Thema, das wahrscheinlich in der Realität öfter mal vorkommt, allerdings nicht häufig in Büchern oder anderen Texten bearbeitet wird.


Der Amerikaner Wayne Jacobsen war lange Zeit Redakteur einer Kirchenzeitschrift und gibt heute einen wöchentlichen Podcast mitheraus. Seine Hauptaufgabe sieht er darin, anderen zu helfen, herauszufinden, was Jesus wirklich über das Leben in seinem Vater und in einer beziehungsorientierten Gemeinschaft mit anderen Gläubigen gelehrt hat.

Dave Coleman war Kaplan in einem Hospiz und hilft heute anderen Christen, besser zu verstehen, wie man in Jesus leben kann. Er wohnt in Kalifornien.
(Zitat von der Rückseite, etwas gekürzt)

Am Buchende steht noch ein zehnseitiges Interview mit Wayne Jacobsen, das er 2001 gegeben hat, um (Zitat Seite 209)  eine Argumentationshilfe (zu) bieten [..] besser zu verstehen, wie man das Leben im Leib Christi beziehungsorientierter gestalten kann, als es das traditionelle Gemeindeleben oft erlaubt.


218 Seiten, 2006, übersetzt aus dem Amerikanischen (So You Won't to Go to Church Anymore) von Manfred Mayer

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