Sonntag, 14. September 2014

Tiefgänger

von Gordon MacDonald

Erzähltes – Gemeinde


In der Pfarrgemeinde von Pastor Mac wird eine Gruppe für sogenannte geistliche Tiefgänger gegründet. Mit seiner Frau Gail lädt er Gemeindemitglieder jeden Montag zu einem Treffen ein, um gemeinsam im Glauben zu wachsen, christusähnlich zu werden und nach einem Jahr Ausbildung zukünftig wichtige Aufgaben zu übernehmen. Ihr Ziel ist, dass jeder Gläubige ihrer Kirche sagen kann, wie die Gemeinde ihm hilft, in all das hineinzuwachsen, wozu Gott ihn berufen hat. (Zitat Seite 119). 

Die etwa vierzehn ausgewählten Tiefgänger, darunter viele Ehepaare, erhalten Unterstützung von Mentoren; das sind ältere Gläubige, die schon seit langer Zeit in der Gemeinde Gruppen leiten, bestimmte Aufgaben übernehmen, sich um die Gemeindemitgliedern mit Problemen kümmern oder hauptsächlich beten. Die Mentoren kommen mit ihren Schützlingen einmal monatlich zusammen und stehen bei Fragen oder Schwierigkeiten zur Seite.

Begleitend wird für das gesamte Projekt intensiv gebetet, dafür ist hauptsächlich eine Frau koreanischer Herkunft zuständig, die diese Gabe im besonderen Maße hat.

Auch die Gruppentreffen beginnen und enden immer mit Gebeten. Während der ersten Wochen geht es um Biblisches: Wie werden die Gemeinden und deren Verantwortliche in NT und AT beschrieben? Wie beruft Jesus? Wie bildet er aus, wie wurden damals die Anhänger von Rabbis grundsätzlich angeleitet? (Durch Lehre, Nachahmung, Prüfung). Dazu erhält Pastor Mac Informationen von seinem Freund Cohen, dem Rabiner der Stadt.

Bei der Vorbereitung befragt der Pfarrer auch Mercedes, die eine verantwortliche Position in einer Hotelkette hat, welchen Stellenwert bei ihnen die Nachwuchsförderung hat, welche Strukturen und Regeln es dafür gibt, worauf man bei den „Lehrlingen“ ganz besonders achtet.

Schon vor Beginn der Montagszusammenkünfte bekommt Mac Anfragen von Kirchen- mitgliedern, die bei dieser Tiefgängergruppe mitmachen möchten, denen er oder seine Frau aber absagen müssen, da es sich in erster Linie um ein striktes Ausbildungsprogramm handelt und nicht nur um Bibelgruppen o.ä. Die Enttäuschung deswegen ist sehr groß und das Pastorenpaar bedauert, dass sie nicht jeden nehmen können, der sich freiwillig meldet, sondern dass sie – wie Jesus – selbst auf die Gläubigen zugehen und sie zu dem Programm einladen.

An den Montagabenden erklärt Macs Frau Gail nach dem Grundlagenteil mit NT und AT in einem zweiten Themenkreis, wie sich die einzelnen Persönlichkeitstypen unterscheiden und wie ihre Talente für den Dienst genutzt werden können und zwar anhand des Myers Briggs Typenindikator, der in amerikanischen Kirchenkreisen sehr beliebt sein soll. Daneben lernen die künftigen Tiefgänger wie man in der Bibel liest, welche Fragen man zum Gelesenen stellen kann, wie man in einen Dialog mit dem Autor tritt. Von Beginn an müssen sich einige der Schützlinge überwinden, laut zu beten, bisher hatten sie sich immer erfolgreich davor drücken können. Als der Kurs schon einige Monate läuft, erzählen sich die Teilnehmer ihre Lebensgeschichte und allen wird klar, dass in der Nachfolge auch ein Kreuz dabei ist.
Später werden andere Gemeindemitglieder eingeladen, die aus ihrem Leben oder von ihren Erfahrungen mit Gott berichten.

Das Ganze ist nicht nur eine reine Erfolgsstory, ein Gruppenmitglied bemerkt nämlich, dass ihm etwas wichtiger ist als die Ausbildung und die Arbeit in der Kirche; er verlässt das Team.

Die Tiefgänger-Gruppe entfaltet nach innen und außen eine starke Wirkung, sie wird zu einer „geistlichen Familie“, das Pastorenpaar erkennt: Für uns war klar, das Evangelisation in Zukunft so aussieht: Wir nehmen Menschen in die Gemeinschaft von uns Christen hinein, damit sie die Liebe von Christus selbst beobachten können. Der Heilige Geist bestimmt dann den Zeitpunkt ihrer Bekehrung.(Zitat Seite 265)

Nach 40 Abenden ist der Kurs beendet; die Tiefgänger, die Hauptamtlichen der Gemeinde, die Mentoren, die Helfer und Beter feiern ein Fest. Für das kommende Jahr sind schon die neuen Kursleiter bestimmt (ein älteres Ehepaar, das während des ersten Jahres immer montags dabei war und auf diese Weise ausgebildet wurde) und die ersten Anwärter für die nächste Gruppe sind ausgesucht.


Was für ein außergewöhnlich beeindruckendes Buch! Schon der erste Band (Ich will meine Gemeinde zurück) von Gordon MacDonald hat mir sehr gut gefallen, da ging es um die Veränderungen in der Gemeinde von Pastor Mac und die Probleme, die langjährige Mitglieder damit haben.

Allerdings hat mich Tiefgänger traurig zurück gelassen. Ehrlich gesagt, kann man sich nicht mal annährerungsweise eine Gemeinschaft wie die im Buch vorstellen, so viel Hilfsbereit- schaft, gegenseitige Unterstützung und Freundlichkeit, das ist einfach komplett illusorisch. So etwas gibt es nur im Märchen.
 
Also: Tiefgänger ist ein wunderbares Kirchengemeinde-Märchenbuch, für alle, die noch zu träumen verstehen.
 
Der Autor Gordon MacDonald (geb. 1939) ist freikirchlicher Pastor in den USA (mit Wiki-Artikel, allerdings nur in der deutschen Wiki).

329 Seiten, 2010, aus dem Amerikanischen (Going Deep) übersetzt von Anja Schäfer,

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