Montag, 14. Juli 2014

Einsamkeit schafft Raum

von Maria Anna Leenen

Christlicher Alltag


In 21 Kapiteln mit je drei Seiten stehen Gedanken über die vielen Facetten der Einsamkeit. Die Autorin Maria Anna Leenen nennt Einsamkeit deswegen auch einen Containerbegriff, weil er so viel und unterschiedliches bedeutet. Da gibt es die positive Formen, wie von Wilhelm Busch in einem Gedicht beschrieben (Wer einsam ist, der hat es gut), die entspannende, seelenbaumelnde Zeit. Gelegenheit, um das eigene Leben und sich selbst besser kennen zu lernen oder Gott, Begegnung mit Gott, Zeiten des Rückzugs wegen konzentrierten Studierens oder Arbeitens. Andererseits die wenig schönen Einsamkeiten: nach dem Verlust des Partners, auf Partnersuche, einsam durch große Schuld, Ausgrenzung, Verlassenheit, in schwerer Krankheit.

Im Vorwort der Autorin steht: [Die Texte dieses Buches] sind Impulse, ausgerichtet auf das geistliche Leben. Sie helfen dem einen oder anderen Leser, Einsamkeit besser zu verstehen und einzuschätzen und die persönlichen Zeiten der Einsamkeit besser zu nutzen für ein Leben aus dem Glauben, das in eine erfüllende Tiefe führt.

Sie schreibt, dass sie als Eremitin das Alleinsein eher positiv sieht, hofft aber, dass Leser, die es als schwer belastend empfinden, durch die Texte auch die wertvollen Seiten entdecken können. Außerdem ist für sie Einsamkeitsfähigkeit eine Voraussetzung für Beziehungsfähigkeit.

In Einsamkeit schafft Raum stehen feine Meditationen über das Alleinsein und die Einsamkeit, von allen Seiten und in die Tiefe ausgeleuchtet. Im und durch den Glauben gesehen, erklärt mit vielen Zitaten aus der Bibel. Dazu gibt es in jedem Kapitel passende und inspirierende Fotos.

Maria Anna Leenen, 1956 geboren, ist seit 1994 Eremitin und lebt in einer Klause bei Osnabrück. Sie arbeitet als freie Schriftstellerin. Ihre Schwerpunkt- themen sind christliche Spiritualität, besonders Gebet und Kontemplation. Sie schreibt Kinder- und Jugendbücher, Sachbücher und Lyrik.
Homepage von Maria Anna Leenen
 
99 Seiten, 2014


Wilhelm Busch: Der Einsame

Wer einsam ist, der hat es gut,
Weil keiner da, der ihm was tut.
Ihn stört in seinem Lustrevier
Kein Tier, kein Mensch und kein Klavier,
Und niemand gibt ihm weise Lehren,
Die gut gemeint und bös zu hören.
Der Welt entronnen, geht er still
In Filzpantoffeln, wann er will.
Sogar im Schlafrock wandelt er
Bequem den ganzen Tag umher.
Er kennt kein weibliches Verbot,
Drum raucht und dampft er wie ein Schlot.
Geschützt vor fremden Späherblicken,
Kann er sich selbst die Hose flicken.
Liebt er Musik, so darf er flöten,
Um angenehm die Zeit zu töten,
Und laut und kräftig darf er prusten,
Und ohne Rücksicht darf er husten,
Und allgemach vergißt man seiner.
Nur allerhöchstens fragt mal einer:
Was, lebt er noch? Ei, Schwerenot,
Ich dachte längst, er wäre tot.
Kurz, abgesehn vom Steuerzahlen,
Läßt sich das Glück nicht schöner malen.
Worauf denn auch der Satz beruht:
Wer einsam ist, der hat es gut.
 
 

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