Sonntag, 27. April 2014

Die stillen Wasser von Amberley

von Dorothée Heck

Kirchenkrimi


Die Journalistin Julia fährt nach England, um auf einem christlichen Bruderhof zwei Wochen zu verbringen und darüber einen Artikel zu schreiben. Ihre Kinder sind in dieser Zeit bei ihrem Mann, Paul, von dem sie getrennt lebt. So war es eigentlich geplant. Aber Paul ist Kommissar und muss den Urlaub verschieben, weil er ebenfalls in England den Mord an einem Deutschen aufklären soll. Die beiden Kinder, der 5-Jährige und die 12-Jährige, bleiben bei Julia und leben sich überraschend schnell in der christlichen Gemeinde ein. Bei dem Ort Amberley, an einem großen See, wohnen ungefähr 300 Menschen in Familien zusammen, sie teilen ihren Besitz und lehnen Gewalt strikt ab. Die Frauen tragen Kleider, Schürzen und Hauben, ähnlich wie bei den Amish-People in den USA. Montags wird mittags immer gefastet und das so eingesparte Geld gespendet.

Plötzlich taucht Paul auf dem Bruderhof auf, es gibt eine Verbindung zwischen dem Ermordeten und den frommen Leuten. In der Hemdtasche des Opfers war eine Visitenkarte, mit der für die Produkte der Gemeinschaft geworben wird. Außerdem wurde 19 Jahre zuvor an ihrem See ein Toter gefunden. Die beiden Männer waren eng befreundet und starben auf genau dieselbe Weise. Das kann kein Zufall sein.

Julia kann sich nicht vorstellen, dass der Mörder von der christlichen Gemeinde kommt, deren Menschen sie schnell zu schätzen gelernt hat, obwohl sie nicht alle ihre Werte und Lebensweisen teilen kann. Die Journalistin beginnt selbst nachzuforschen. Ihr Mann ermittelt derweil hauptberuflich und bekommt eine junge, attraktive und selbstbewusste, britische Kollegin zur Unterstützung. Julia wird eifersüchtig …


Die stillen Wasser von Amberley hat eine spannende Handlung, lebensechte Figuren, bringt hochinteressante Informationen über die neutäuferischen Bruderhöfe, ihre Geschichte und Wertvorstellungen (die weder unkritisch noch überkritisch behandelt werden), dazu eine sehr romantische Liebesgeschichte - besonders gegen Ende des Buchs – , insgesamt ein klassischer Whodunnit zum Mitraten. Allerdings nicht gewaltfrei: das Elend ist so groß, dass Julia darüber nachdenkt, ob Lynchjustiz gerechtfertigt sein kann. 

Ein richtig guter Kriminalroman. Die Autorin könnte ruhig noch mehr Bücher mit dem Kommissar und seiner Journalistin schreiben.


Dorothée Heck ist Fremdsprachenkorrespondentin und lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in Ludwigshafen. [..] Ein Urlaub auf dem Bruderhof in England inspirierte sie zu diesem Roman. (Zitat von der Buchrückseite)

1984 war die Autorin als Kind mit ihren Eltern und den drei Schwestern auf dem Bruderhof Darvell in Südengland.
Seit 1995 gehören die Bruderhöfer nicht mehr zu den Hutterern und tragen keine einheitliche Tracht mehr. Es gibt ihre Gemeinschaften zur Zeit noch in den Vereinigten Staaten, Paraguay, Australien, England und Deutschland. Weitere Infos in der Wiki, der Artikel "Bruderhöfer"

253 Seiten, 2014


Übrigens wohnen Julia und ihre Familie in Heidelberg, und das Opfer kam aus Speyer. Speyer! Mal wieder!


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