Sonntag, 30. März 2014

Sterbeläuten

von Helen Endemann

Kirchenkrimi - Tatort Orgel - Weihnachten



Ein richtiger Tatort-Orgel-Krimi! Ein Kirchenchor kommt zwar nicht vor, aber zu den Hauptfiguren gehören drei Organisten (ein B-, zwei C-Scheine), an der Orgel spielen außerdem wichtige Szenen, das Sterbeläuten der Glocken wird als Alarmsignal genutzt, um Hilfe in höchster Not herbeizuholen und es ist eventuell die Musik, die zum Mordmotiv wird ….

Sulzbach im Taunus, erster Advent bis Silvester, Krippenpiel der Kinder und deshalb Streit um den Platz in der Kirche wegen eines geschenkten Gauls in Form einer riesigen Tanne und wunderbaren Krippenfiguren (handgeschnitztes Zedernholz, aus Bethlehem), außerdem das Treffen der Pfarrer im Dekanat (witzig und kenntnisreich), der Weihnachtsmarkt und was es an entsprechenden Veranstaltungen im Advent sonst noch gibt.

Man kennt schon aus dem ersten Band die Pfarrersfamilie Steinhaus mit zwei Jungs und einem Mädchen zwischen 6 und 10, den verwitweten Küster Thomas mit seinen zwei Kindern und Ortspolizist Paul Kramer. Neu sind eingangs genannte Kirchenmusiker, ein zugezogener, höchst engagierter Ehrenamtlicher, eine polnische Lehrerin, die ihr Geld als Putzfrau verdient und ihr Bruder, der Krankenpfleger.

Es könnte eine Adventszeit wie immer sein, doch dann geschieht jede Menge Kriminelles: die Festplatten-Diebstähle in Pfarreien und im Dekanat, der Verdacht, dass eine ältere Dame keines natürlichen Todes gestorben ist, Mordversuche und schließlich gibt es einen richtigen Mord, eine spannende Verfolgungsjagd und mehrere atemberaubende Situationen. Man fiebert mit.

Action, Trauriges, gesellschaftliche Schieflagen, Gemeindeleben, Amüsantes stehen nebeneinander. Die Kinder spielen diesmal eine aktivere Rolle, und Küster Thomas hat ein schüchternes Auge auf eine Kirchenmusikerin mit C-Schein geworfen, was sogar seine Tochter merkt. Ein Mediationsgespräch, das Pfarrer Henry für die Streithähne um Krippen- spiel und Krippenfiguren arrangiert hat, ist die amüsante Perle der Geschichte. Ab und zu taucht Geistliches auf und wird gekonnt unaufdringlich und mit nachdenkenswerten Worten eingebracht. Wie schon der Vorgänger Sommergrollen ist  dieser Band  auch kein Blümchenkrimi; wer es allerdings ein wenig realistischer mag, dem kann man Sterbeläuten uneingeschränkt empfehlen.


Die Autorin Dr. Helen Endemann (geb. 1970) ist mit einem evangelischen Pfarrer verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie ist Juristin und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt. Ihr erstes Buch war Sommergrollen, in der Pfarrersfamilie Steinhaus das Licht der literarischen Krimi-Welt erblickte. Ein sehr gelungenes Debüt, das Buch wurde kürzlich im Blog vorgestellt.


260 Seiten, 2013


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