Sonntag, 23. März 2014

Sommergrollen

von Helen Endemann

Kirchenkrimi


Die idyllische Kleinstadt Sulzbach im Taunus, Hochsommer. Pachtverträge müssen vom evangelischen Pfarrer neu vergeben werden. Aus Erfahrung weiß er, dass nicht alle mit seiner Entscheidung zufrieden sein werden. Ein großer Landbesitzer stirbt, sein Sohn erbt und will eine Mega-Disco auf die Äcker setzen, mit Anbindung zur Autobahn. Die Nachbarn planen schon seit längerer Zeit ein Reiterhotel und investieren in neugebaute Familienhäuser in ruhiger grüner Lage. Der Sohn hat einen Unfall, die Mega-Disco ist vom Tisch, und weitere Motive für einen Mordanschlag kommen ans Licht.

Kein Blümchen-Krimi, es geht zur Sache, nichts für überempfindliche Nerven. Die Geschichte ist sehr spannend und zwischendrin auch mal traurig bis tragisch; jedenfalls klebt man mit der Nase im Buch und möchte die Lösungen für all die verschiedenen Handlungsstränge und Verdachtsmomente erfahren. Der Pfarrer und das Geistliche werden ausführlich dargestellt und sind gut in die Handlung eingebettet (Beerdigung, Hochzeit, Vater-und-Kind-Gruppe, Seelsorgegespräche des Pfarrers wegen Scheidung und mit Vergewaltigungsopfern), das Pastoren(familien)leben wird sehr eindrucksvoll geschildert. Es gibt jede Menge Tatmotive und entsprechend ist fast jeder außer der Pfarrerfamilie verdächtig.

Die Hauptfiguren sind Pfarrer Henry Steinhaus, seine Gattin Elisabeth, ihre Kinder: die zehnjährigen Zwillinge Markus und Lukas und die sechsjährige Marlene, Küster Thomas Uhrig, Ortspolizist Paul Kramer, Hebamme Lucy Busch und die Friedhofs-Gang. Im Dachstuhl der Kirche nisten wie jeden Sommer Fledermäuse, besonders für das Große Mausohr, eine „typische Kirchenfledermaus“, war das ein optimaler Lebensraum“ (Zitat Seite 146). Und auch in diesem Krimi gibt es einen Brautvater, der seine Tochter zum Altar führen wollte und vom Pfarrer bzw. von dem Gottesdienst-Protokoll daran gehindert wird; das scheint wirklich ein flächendeckendes Dauerthema für Pfarrer zu sein.

Mein Lieblingszitat aus Sommergrollen: „Ich bin immer dein Vater. Du bist immer meine Tochter. Ich bin immer da, wenn du mich brauchst. Ich passe auf dich auf, und ich gehe dir auf die Nerven; und wenn du einen Freund anschleppst, gucke ich ihn grimmig an und benehme mich schlecht. Wenn du erwachsen bist und eine eigene Wohnung hast, dann schleppe ich deine Kisten dorthin und weine, und dann bohre ich deine Regale an die Wand. Versprochen."  (Zitat Seite 220f)


Die Autorin Dr. Helen Endemann (geb. 1970 In Frankfurt) ist die Ehefrau eines evangelischen Pfarrers und Mutter von drei Kindern, sie arbeitet als Juristin bei der Deutschen Bahn und lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt.

Sommergrollen war Helen Endemanns erstes Buch. Alle Achtung, Chapeau! Enormes Erzählertalent! Deswegen sind auch schon ein weiterer Krimi mit Pfarrersfamilie Steinhaus Sterbeläuten (steht bereits im Regal) und eine Erzählung für Jugendliche herausgekommen.

287 Seiten, 2012


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen