Dienstag, 14. Mai 2013

So legt euch denn, ihr Brüder ...

von Christian Hartung

Kirchenkrimi


Der evangelische Pfarrer Michael Held ist für mehrere kleine Dorf-Gemeinden im Hunsrück zuständig, außerdem konnte er als Ermittler bei Mordfällen in der Vergangenheit bereits diverse Erfolge verbuchen. Er ist mit Doris verheiratet, die teilzeit in einer Buchhandlung arbeitet (genau wie Aggie, die Pastorengattin und umtriebige Hobbydetektivin der Mrs. Wilcox-Krimis), die beiden haben einen siebzehnjährigen Sohn, zur Zeit total verschossen und meist mit Simsen beschäftigt, und eine vierzehnjährige Tochter. Die Geschichte spielt im August.

Kurze Zeit nach der großen Feier zu ihrem 50. Geburtstag verschwinden die Zwillinge Stefan und Michael spurlos, wenige Tage vor der Trauung von Michaels Tochter. (Die langen Diskussionen, ob der Vater der Braut mit seiner Tochter einzieht, wie es in Großbritannien und den USA üblich ist, bilden einen wichtigen Bestandteil der Gespräche des Pastors mit der Braut. Pfarrer – und Autor – kämpfen um Verständnis für die ursprüngliche Tradition des gemein- samen Einzugs von Braut und Bräutigam in die Kirche. - Daneben wird eine Scheidung und erneute Ehe eher als menschlich und vertretbar angesehen.)
Schließlich kommt Michael zurück nach Hause, von seinem Bruder Stefan gibt es nur einen Brief, in dem er schreibt, es tue ihm leid, er liebe alle und man solle nicht nach ihm suchen. Während dieser Tage wird eine Frau, die in einem Nachbarort aufgewachsen ist, in den Schweizer Bergen erschlagen aufgefun- den. Haben die Zwillinge damit zu tun? Wo ist Stefan hin? Kommt er doch noch zurück? Schließlich kann Kriminalhauptkommissar Dieter Langes mit des Pastors Hilfe alles aufklären.

Einige der Figuren lässt der Autor im Hunsrücker Dialekt reden, was sehr angenehm an die Fernsehserie „Heimat“ erinnert, aber etwas schwierig zu verstehen ist. Es gibt Rückblenden auf die ehemaligen Fälle des Pfarrers und Figuren von damals kommen am Rande vor. Wenn man diesen Band als ersten der Reihe liest, dann bleiben diese Leute ein wenig blass. Andererseits macht es neugierig auf die vorherigen Bände.

Insgesamt ist „So legt euch denn, ihr Brüder ...“ ein sehr guter und spannend geschriebener Kirchenkrimi (ohne Brutalitäten). Das Pfarrer-Geschäft und das Familienleben sind authentisch geschildert und gut in die Geschichte eingebaut. Die Figuren sind ohne Übertreibungen realistisch, einige sind sympathisch und liebenswert, wie des Pfarrers Familie und die dörfliche Hilfstruppe bei der Betreuung einer verwaisten Mutter, andere sind im Stress, seltsam oder ziemlich verdächtigt.

Dank an IWe (Link auf ihren Blog), die mir vor kurzem den Tipp gegeben hat, die Krimis von Christian Hartung zu lesen. Das ist wirklich eine Entdeckung und man sollte sie unbedingt weiter empfehlen.
 
Der Autor Christian Hartung (1963) ist in der Nähe von Hamburg geboren und seit 1992 evangelischer Gemeindepfarrer im Hunsrück. Seit 2001 gibt es von ihm literarische Veröffentlichungen: Lyrik, Erzählungen und eben auch die fünf Krimis um Pfarrer Michael Held.

Im Blog sind außerdem vorgestellt die Pfarrer Held-Bände Aus einem Kelche trinken ( 4. Band) und Noch manche Nacht wird fallen (2.)

163 Seiten, 2010

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