Samstag, 22. Dezember 2012

Der Fall Hildegard von Bingen von Edgar Noske

Ein Krimi aus dem Mittelalter

Kirchenkrimi – Erzähltes – Historisches – Heilige - Kloster

Eine unterhaltsame und spannende Geschichte um die neuernannte Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen.

Vorne im Band steht: „Dieses Buch ist ein Roman. Die Handlung ist frei erfunden“. Spätestens bei der Beschreibung des Abts Kuno und der gesundheitlichen Probleme von Sekretär Wibert wäre das dem Leser ohnehin aufgefallen, aber gut, dass der Autor so deutlich darauf aufmerksam gemacht hat. Das wünscht man sich in dieser Deutlichkeit häufiger in Büchern über reale Personen.

Zur Handlung: 1177 wird auf dem Gelände des Klosters Rupertsberg eine unbekannte Leiche gefunden. Gerade in dieser Zeit diktiert die heilige Hildegard von Bingen dem neuen Sekretär Wibert ihre Lebenserinnerungen, besonders ihre Erlebnisse mit Papst Eugen III. während des Konzils von Trier im Jahr 1147.

Historische Romane sind jetzt nicht gerade meine bevorzugte Art von Lektüre, deswegen waren auch an die hundert Seiten nötig, bis ich mich warmgelesen habe. Aber danach ging es locker zwanglos weiter. Der Autor hat die Geschichten spannend geschrieben, sie springt zwischen den Ereignissen von 1147 bis 1152 und 1177 hin und her, und wenn man weiß, dass es ein Happy End gibt, d.h. Hildegard ihr eigenes Kloster bekommt und alle Anfeindungen überwindet, dann macht es um so mehr Spaß, sie mit diesem Unterhaltungsroman dabei zu begleiten. Inwieweit alles historisch korrekt ist, lässt sich für Nicht-Hildegardianer schwer einschätzen. Die Gegner der Heiligen sind komplett überzeichnet bis lächerlich, ihre Handlungsmotive höchstwahrscheinlich unkorrekt dargestellt, und bestimmt ist Hildegard bei keinen mysteriösen Aktionen dabei gewesen, geschweige denn bei tödlichen Unfällen, weil man sonst sicher davon wüsste. Mit dem Glauben und Hildegards Visionen wird dezent und respektvoll umgegangen, sie wird als sympathische Mater und Managerin ihres Klosters dargestellt, die selbstbewusst ihren Weg geht. Teilweise ist das Niveau arg unterhalb, wenn zum Beispiel Abt Kuno seinen Mönche eine Sportstunde verordnet oder sich die jungen Ordensfrauen streiten.
Die Erzählung eignet sich gut dafür, auf die große Dame des Mittelalters neugierig zu machen. Vor diesem Krimi hatte ich nur Bücher über gesundheitliche und psychologische Themen von ihr gelesen, in Zukunft darf es dann jetzt mal etwas Biographisches sein. Allerdings mit mehr Anspruch als dieser Krimi.
(Upps, vor sehr vielen Jahren habe ich doch schon mal eine Lebensbeschreibung der Heiligen Hildegard gelesen, die müsste noch irgenwo in den Regalen stehen, muss mal suchen.)

321 Seiten, 2003, mit einem Glossar und einem Grundriß des Klosters Rupertsberg.

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