Sonntag, 30. Dezember 2012

Christliches in der Weltliteratur von Gisbert Kranz

Ein neuer Zugang zu großen Romanen und Erzählungen

Literatur

Vierzig Schriftsteller werden vorgestellt mit jeweils einem oder mehreren ihrer Werke, vom 17. bis ins späte 20. Jahrhundert, die meisten aus den letzten 200 Jahren, eine Auswahl: orthodox (Dostojewski, Tolstoj, Solschenizyn), anglikanisch (C.S.Lewis, Sayers), katholisch (Cervantes, Le Fort, Waugh, Böll, Percy Walker), protestantisch (Hebel, Undset, Jung-Stilling, Dürrenmatt). Der katholische Theologe und Literaturwissenschaftler Gisbert Kranz (1921-2009) stellt das spezifisch christliche in ihren Texten dar und belegt das mit Zitaten. Dazu hat er bekannte und weltberühmte Bücher zusammen mit hierzulande unbekannten in diesem Appetizer besprochen und macht ordentlich Werbung, sich mal mit der großen Literatur bzw. der Literatur der Großen zu beschäftigen.

Gisbert Kranz' Lexikon der christlichen Weltliteratur steht hier am Ort in der größten Bücherei in der Präsenzbibliothek und vor ein paar Wochen hatte ich es mal in der Hand, um ein paar Anregungen zu bekommen, was man so lesen könnte. Ein ebenfalls hochinteressantes Buch, besonders durch den Anspruch, Literatur aus der ganzen Welt zu beschreiben.

Ein klein wenig fehlt mir neben der geographischen und lexikalischen Aufteilung die Unterkategorie "Humor in der christlichen Literatur", denn zwischen Landpfarrer, die Kraft und die Herrlichkeit, Schuld und Sühne und die Letzte am Schafott könnte man das zur Entspannung brauchen. Im hier vorgestellten Band hat der Autor den Artikel über Bernanos übrigens mit "Die Freude" überschrieben, den Titel eines seiner Romane. Und als Hinweis auf die christliche Freude wird zitiert:
Ich wollte, ich bekäme einen dieser Großschnauzen in die Finger, die von unsereinem nur als Dunkelmänner quasseln können! Dem würde ich sagen: Ich kann nichts dafür, dass ich im Kostüm eines Totengräbers herumlaufe. Übrigens kleidet sich der Papst in Weiß und die Kardinäle in Rot. Es wäre mein gutes Recht wie die Königin von Saba in Prachtgewändern auszugehn, denn ich bringe die Freude. Ihr könntet sie umsonst von mir haben, wenn ihr nur wolltet. Die Kirche verfügt über die Freude, über den ganzen Anteil von Freude, der dieser traurigen Welt beschieden ist. Was ihr gegen die Kirche tut, tut ihr gegen die Freude.“
(Zitat aus Bernanos, Tagebuch eines Landpfarrers)

199 Seiten, 2007

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